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Scheidungsenkel – Wortneuschöpfung

Meine Eltern sind geschieden, schon so lange, dass es für mich total normal ist, getrennt sind sie seit ich in der 5. Klasse war. Für mich ist es also Normalzustand und für unsere Kinder auch. Oma und Opa sind völlig voneinander getrennte Personen, die Partner haben, aber nichts gemeinsam. Man ist entweder bei Oma oder bei Opa. Letztes Wochenende waren wir Sonntags bei meiner Mutter und Montags bei meinem Vater, als dem Mann des Hauses auffiel, dass unsere Kinder „Scheidungsenkel“ seien. Den Begriff gibt es nicht, nur „Scheidungskind“. Vermutlich, weil es das Konzept in unserer Generation nicht gab? Bei den Großeltern meiner Freunde gab es zwar Witwen und selten Witwer, aber Scheidung? Meine Omi war geschieden, aber der Kontakt war immer gering und meinen Opi gab es nicht, also war sie einfach alleine aus meiner Sicht. Meine „nahen“ Großeltern, die mein Leben geprägt haben, waren verheiratet und immer zusammen.

Ich erinne mich immer so gern an meine Großeltern und sie werden mir immer fehlen. Sie haben eine altmodische Ehe gelebt, wie es damals üblich war, Oma kochte und war die Hausfrau und mein Opa der Brotverdiener. Opa saß im Sessel, hörte Musik und las. Oma machte alles andere. Für mich als Kind wirkten sie glücklich, ihr Miteinander war liebevoll. Außerdem waren sie immer zu zweit für mich da. Opa spielte mit mir und den anderen Enkeln, beide lasen vor, Oma kuschelte und sang Schlaflieder. Vor allem waren sie aber ein Paar. Ich war mit Oma UND Opa auf dem Spielplatz, in der Stadt, wir haben zusammen gegessen, große Samstagabendshows geschaut und ganz besonders erinnere ich mich an unsere Ausflüge in den Zoo und einmal mit Bus und Bahn in die GruGa in Essen. Opa fuhr nämlich kein Auto und Oma schon gar nicht. Sie waren an jedem Geburtstag da, zur Einschulung oder wenn Mama krank war, immer zusammen. Sie hielten zusammen und halfen sich. „OmaundOpa“ eigentlich ein Wort, eine Instanz.
Für unsere Kinder ist das alles anders. Außer zu besonderen Anlässen wie Geburtstag oder Einschulung gibt es Oma oder Opa. Es gibt nicht dieses Erleben einer Jahrzehnte gelebten Ehe. Dass wir als Eltern ein Paar sind, empfinden sie als normal. Aber eben auch getrennte Großeltern, dass Ehe nichts auf ewig ist. Auch im Freundeskreis haben mehr Kinder getrennte Großeltern als getrennte Eltern (noch). Die Generation unserer Eltern ist die erste mit großer Scheidungsrate. Was bedeutet das für unsere Kinder, sie erleben nicht mehr die Verbindlichkeit bis zum Tod. Lange Ehen, die Krisen überstanden habe. Dazu fehlen diese Erlebnisse und Erinnerungen, die ich habe. Es gibt nur Oma ODER Opa. Weihnachten getrennt, kein großer Familienkreis mit Großeltern, sondern immer nur einer (mit Partner). Ich erinnere mich an die besondere Geborgenheit bei Oma und Opa, die sie nie erleben werden. Es ist immer nur einer dabei, sie sind Scheidungsenkel. Meine Schwiegereltern waren auch getrennt, aber unsere Kinder haben sie nicht erlebt. Gibt es dazu eigentlich Studien? Beeinflusst die Tatsache, dass Großeltern getrennt sind, unsere Kinder? Wie ist es bei Euch?

Ein Kommentar zu „Scheidungsenkel – Wortneuschöpfung

  1. Interessantes Thema. Bei meiner oberflächlichen Recherche eben, habe ich einen Text überflogen, in dem darauf hingewiesen wurde, dass es erst nach dem 2. Weltkrieg üblich wurde, überhaupt 2 Groselternteile zu haben. Kinder mit Migrationshintergrund haben ebenfalls oft keinen Kontakt zu (all) ihren Großeltern. Gleichzeitig wird aber betont, welch wichtige Funktion die Großeltern haben. Ich glaube deren Wegfall aus den unterschiedlichsten Gründen ist nicht weiter untersucht, vorallem, da es kaum Einflussnahme gibt.
    Meine Kinder wachsen mit einem intakten Groselternpaar auf, welches aber 350 km entfernt lebt.

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