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Kindergeburtstage – ein Wettbewerb

Letzte Woche habe ich mal wieder auf Twitter einen Comic mit Link auf einen Artikel entdeckt, überhaupt fallen mir dieses Jahr dauernd Artikel zu diesem Thema ins Auge: der angebliche Wettbewerb unter Eltern zu Kindergeburtstagen. Die Autorinnen und Autoren dieser Artikel überschlagen sich dabei wahlweise in ihrer Ironie und Sarkasmus oder ereifern sich über diesen furchtbaren Wettbewerb und den Druck für Eltern. Ich reagiere darauf als Dreifachmama mit einem „Häh?“ 

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bunte Muffins in Regenbogenfarben

Wir haben drei Kinder, feiern selbst Kindergeburtstage und unsere Kinder sind nicht bei wenigen Feiern eingeladen. In den Artikeln wird von Übernachtungswochenenden, riesigen Geschenkeaktionen, teuersten Ausflügen und exklusivsten Feiern geschrieben und dann eben gern betont, wie furchtbar der Druck und Wettbewerb unter Eltern „heutzutage“ denn sei, da mitzuhalten und dass eben besonders sozial schwächere Familien ins Aus geraten und da nicht mitmachen könnten. Angeblich leiden da so viele Eltern und Kindergeburtstage ufern ins Unermessliche aus. Ich bin ein bißchen irritiert. Entweder leben diese Autoren in einer anderen Region mit anderen Traditionen oder in einer anderen sozialen Sphäre als ich. Wie wir Kindergeburtstag feiern, habe ich hier „Hilfe, Kindergeburtstag“ geschrieben.

Unser Umfeld ist gut durchmischt in KiGa und Schule, die Kinder bewegen sich also nicht nur in einem homogenen Umfeld, sondern es ist alles bunt gemischt von kleinen Mietwohnungen über größere Eigentumswohnungen bis hin zum Reihenhäuschen oder frei stehender Villa und unterschiedlichsten sozialen Schichten. „Trotzdem“ erkenne ich wenig Unterschiede in der Gestaltung der Kindergeburtstage. Kriterium da ist nämlich eher Interesse und Engagement der jeweiligen Eltern, ob sie Lust und Zeit haben und welche räumlichen Möglichkeiten es gibt.

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neulich beim Feen und Wichtel Geburtstag gebastelte Zauberstöcke

Die allermeisten Geburtstage finden wie bei uns meistens Zuhause statt und unterscheiden sich von den von mir in den 80ern erlebten Kindergeburtstagen kaum, es gibt Muffins und Kuchen, Spiele und viel Spaß. Die frühere „Schnitzeljagd“ heißt eben nun „Schatzsuche“ (in unserem Umfeld das tollste Event jedes Geburtstags). Manche Kinder feiern mit Motto, andere Kinder ohne Motto, mal darf man sich verkleiden und mal gibts dazu keine Vorschläge. Genauso gibt es wie auch zu meinen eigenen Kindergeburtstagen meistens kleine Gastgeschenktütchen, wie damals sind darin ein paar Süßigkeiten. Manchmal ist auch ein Pixiebuch oder Seifenblasen darin, auf einem Fußballgeburtstag gab es mal Bälle für die Kinder. Over the top war bisher nie etwas. IMG_0070Auch in den 80ern wurde mal auswärts gefeiert, ich erinnere mich an einen Kindergeburtstag in einem Fastfood Restaurant, den ich als Kind ehrlicherweise furchtbar fand, das war nicht mein Essen oder mein Umfeld (mein Vater hat sowas vermutlich im ganzen Leben noch nicht betreten und ich hatte die „Spielverderbereltern“, die drauf bestanden, dass ich angeschnallt im Kindersitz mitfahre), ich mochte lieber Geburtstage Zuhause. Ein Klassenkamerad hat in einem ausrangierten Flugzeug gefeiert, das war die Sensation (und ich nicht eingeladen). Jedenfalls feierte auch damals nicht absolut jeder Zuhause und je nach Gastgeberfamilie waren Geburtstage mehr oder weniger liebevoll gestaltet, uns Kindern machte es aber immer Spaß.

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und noch mehr Muffins

Wir feiern Zuhause, die meisten Freunde unserer Kinder eben auch, ohne Hüpfburg, engagiertes Personal oder sonstigen riesen Aktionen. Aber es gibt eben auch ganz tolle Feiermöglichkeiten außerhalb. Wo und wie man feiert, kann man doch den jeweiligen Familien überlassen. Ganz toll fanden unsere Kinder Geburtstage in der Station für Umwelt und Naturschutz (einmal „Harry Potter“ und einmal „Elfen und Wichtel“ mit Einhörnern) oder in der Kind- und Jugendfarm. Mal haben die Eltern ein kleines Baby Zuhause und daher überlassen sie lieber Anderen die Organisation und mal ist einfach der Wohnraum zu knapp, um so viele Kinder einzuladen. Denn das ist in Großstädten eben auch mal so, Familien leben aufgrund immens hoher Mieten und Kaufpreise in kleineren Wohnungen und oft ohne Garten. Im Kölner Freundeskreis haben die wenigsten einen eigenen Garten, da wird eben oft im Park Geburtstag gefeiert, auf einer Wiese im Sommer oder eben in einem gemieteten Raum, wenn das Kind im Herbst oder Winter Geburtstag hat. Als „Wettbewerb“ empfindet das keiner, mal ist der Raum der Turnraum des Kindergartens und das Essen ist selbst mitgebracht und einmal war der Große im Odysseum eingeladen und hatte einen unheimlich tollen und spannenden Nachmittag. Wenig Begeisterung kommt von unserem Großen für Indoorspielplätze, da es alles ein bißchen zu laut und groß und wenig persönlich ist. Aber auch da ist es reine Geschmackssache. Jedenfalls kann ich den Eindruck überhaupt nicht bestätigen, dass der Ort der Feier an den Finanzen der Eltern liegt, im Gegenteil, ich denke manchmal, dass grade sozial Schwächere da ihr Geld zusammen nehmen, um eine solche Feier zu machen und ihrem Kind den Wunsch zu erfüllen. Denn darum geht es doch im Endeffekt? Dass das Geburtstagskind eine ganz tolle Feier nach seinen Wünschen hat. Und wenn das Geburtstagskind am Liebsten in einen Indoorspielplatz geht oder einen Kletterpark oder Bowling spielen, ist das für dieses Kind und diese Familie der perfekte Geburtstag. Da ist man doch ein wenig selbst schuld, wenn man sich davon unter Druck gesetzt fühlt und meint, man müsse genauso feiern. Bei unseren Kindern habe ich den Eindruck, ihnen hat noch kein Kindergeburtstag nicht gefallen, egal ob im Garten, beim Fußball, im Park, beim Radio, auf der Bowlingbahn, im Kinderzimmer, auf dem Spielplatz oder irgendeiner Wiese. Denn beim Kindergeburtstag geht es darum, dass alle Kinder eine tolle Zeit haben. Den Wettbewerb sehen offenbar nur manche Autoren. Zumindest auch im Freundeskreis höre ich sowas nie bei Überlegungen zur Planung. Weder ist die Location auswärts ein Statussymbol noch die Planung und Selbstdurchführung Zuhause oder woanders. Daher muss ich zugeben, mich nerven diese Artikel etwas. Weitere Artikel gibt es über die angeblich so schlimmen Geschenkekisten. Wir machen immer eine Kiste bei der örtlichen Buchhändlerin. Preislich sind da dann Dinge von 2-20€ drin, manche Kinder schenken auch zusammen was. Ich sehe da auch nicht den Unterschied dazu, jemandem ein konkretes Geschenk zu nennen, ohne dessen Preisrahmen zu kennen, außerdem ist keiner gezwungen, davon etwas zu kaufen, eigene Ideen sind genauso erwünscht. Für mich ist es bei Einladungen immer eine gute Orientierung und man kann dennoch auswählen, beim besten Freund wissen unsere Kinder genau, was der so hat und worüber er sich freut, aber bei etwas fremderen Kindern aus Kindergarten und Schule finde ich Geschenketipps immer hilfreich, denn das Ziel ist doch, dass das Geburtstagskind glücklich mit seinen Geschenken ist.

Wie ist es denn bei Euch? Feiert Ihr Zuhause oder seht Ihr Euch unter Druck gesetzt, einen Geburtstag an einem ganz besonderen Ort zu feiern? Gibt es den Wettbewerb regional eben doch?

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