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Erntedankfest – Kindergottesdienst

IMG_0500Eigentlich ist mein Glaube hier wenig Thema im Blog, ich möchte nämlich nicht missionieren und teilweise gruselt es mich, was andere „Christen“ von sich geben. Da bezieht sich „Nächstenliebe“ etwas fehlinterpretiert auf die eigene Familie und engste Freunde. Am Schlimmsten finde ich jedoch, wenn Leute in ihrer Xenophobie und ihrem Islamhass meinen Glauben vorschieben bzw. diesen schützen zu wollen. Meistens wissen genau diese Leute nicht mal, worum es eigentlich geht, kennen die Bedeutung der so „schützenswerten“ Feiertage nicht und leben eben gegen jegliche christliche Prinzipien, indem sie Menschen hassen und verurteilen, bis hin dazu, ihnen den Tod zu wünschen. Perfekt sind wir alle nicht, die meisten von uns werden sich nicht immer optimal verhalten, ich erst recht nicht. Aber Hass und Fremdenfeindlichkeit verbreiten widerspricht jeglichem Glauben und jeglicher Moral, auch ohne christlichen Bezug. Oder manche Kommentare, die sich die Regenbogenbloggerinnen so anhören dürfen von beinahe fundamentalistisch klingenden „Christen“, mich hat es wirklich getroffen, was da bei Siebenkilopaket für respektlose und verurteilende Sprüche abgegeben werden, angeblich im Namen Gottes. 

IMG_0133Bei uns heisst Christ sein im Alltag zwei offensichtliche Dinge, die Kinder gehen in konfessionelle Einrichtungen. Nicht, weil die gute Öffnungszeiten haben oder verkehrsgünstig liegen, sondern weil es mir wichtig ist, dass es einerseits um die übergeordneten Prinzipien wie Nächstenliebe und Respekt geht, aber zweitens eben auch die christlichen Festtage gefeiert werden, die Kinder in die Kirche gehen und biblische Geschichten hören.

Der Mittlere geht in einen ganz tollen evangelischen Kindergarten, ich liebe unseren Kindergarten, weil die Erzieherinnen mit so viel Liebe und Begeisterung dabei sind und sie respektvoll mit den Kindern umgehen und überhaupt der gegenseitige Umgang sozial und toll ist. Übrigens gehen in den KiGa eben auch Kinder aus muslimischen, katholischen, atheistischen oder andersgläubigen Familien, so lernen sie nämlich am besten, dass wir uns alle kaum unterscheiden.

IMG_0497Der Große ist auf einer katholischen Grundschule. Ich wollte lieber eine konfessionelle Schule und viele aus unserem evangelischen Kindergottesdienst gehen dort hin, der Ruf ist sehr gut, eben auch besonders wegen des Miteinanders. Wir haben damals auch die evangelische Schule angesehen, unser Sohn hat sich entschieden. Beim Glaubensbekenntnis „heilige katholische Kirche“, das sie auswendig lernen sollten, habe ich aber schon geschluckt und erklärt. In der Schule werden Feste gefeiert mit ihrem christlichen Sinn und anders als an anderen Schulen fällt nicht der Religionsunterricht aus. Außerdem habe ich schon den Eindruck, dass das Miteinander sozialer ist.

IMG_0499Einmal im Monat ist bei uns in der Gemeinde Kindergottesdienst, schon die Kleinsten gehen mit, wir sind immer auf der Empore in der Kirche, die Kinder sitzen auf Kissen auf den Stufen, manchmal ist der Gottesdienst auch Draussen. Es ist wuselig und auch mal laut. Unsere Pfarrerin hat auch den Ruf der „Kinderflüsterin“, sie findet die Sprache und Form in der Gestaltung, die Kinder verstehen und sie mit einbezieht, es ist interaktiv, es wird gesungen und gebetet, es gibt Bewegungsspiele und heute wurde gebastelt, nämlich bunte Perlen als Kette oder Armband. Heute ist nämlich Erntedankfest, das Thema waren die Farben, jedes Kind durfte etwas aus der Natur mitbringen, so gab es rote Blüten und Blätter, grünes Gemüse, gelbe Blumen und blaue Blütenblätter. Kindergottesdienste sind fröhlich und bunt.

In meiner Erfahrung ist Kirche offen und fröhlich, man ist füreinander da, hört sich zu und Menschen werden akzeptiert, wie sie sind, egal welcher Herkunft oder sexuellen Orientierung. Das ist der Glaube, den ich auch unseren Kindern vermitteln will und den sie leben sollen. Ob nun Christ, Jude oder Moslem, man kann sich doch auf seine Gemeinsamkeiten konzentrieren und voneinander lernen und erfahren? Ich mag es nicht, wenn jemand meinen Glauben für Hassbotschaften missbraucht. Andersrum respektiere ich Atheisten und Andersgläubige, erwarte aber ihrerseits, dass sie sich nicht über meine Religion lustig machen oder Sprüche wie „nur dumme Menschen glauben an Gott“ gehen gar nicht. Ich erwidere auch nicht „nur dumme Menschen können etwas nicht begreifen, was sie nicht sehen“. Ich muss nicht missionieren. Aber manche christliche Prinzipien, wenn nicht die meisten davon, sind doch eher allgemeingültig, wie Respekt, Liebe und anderen Menschen zu helfen, egal, welcher Herkunft? Und grade als gläubiger Mensch sollte ich nicht andere verurteilen.

IMG_0496Das heutige Erntedankfest kann man verschieden sehen, christlich danken wir Gott für alles was wir haben und denken an die, denen es weniger gut geht. Daher war die heutige Kollekte nämlich für „Brot für die Welt“. Aber man kann auch ohne Gottesbezug kurz inne halten, die Natur bestaunen und dankbar sein, was man hat und an die denken, denen es nicht so gut geht, da kann man eben auch Atheist sein oder ans Spaghettimonster glauben, das Prinzip und der Sinn ist nicht viel anders.

Wir gehen in den Kindergottesdienst, haben eine evangelische Perspektive auf Dinge, aus der Schule kommt die katholische Interpretation. Ich muss nicht jede Meinung teilen oder gar den Glauben, um ihn zu respektieren. Ich wünsche genauso Juden oder Moslems zu ihren wichtigen Feiertagen ein fröhliches Fest, so, wie mir die Moslems im Umfeld genauso frohe Weihnachten wünschen. Dazu ist es eben auch wichtig, offen zu sein, und von den anderen ihre Sicht zu lernen und dann zu respektieren. Nur, weil mir jemand von seinem Glauben erzählt oder ich Euch von meinem, ist es nicht ansteckend wie eine Krankheit. Man kann für sich nachdenken und seinen Weg finden, ohne andere zu verurteilen. Das hoffe ich, dass es meine Kinder in ihrem Kindergarten und ihrer Schule auch lernen, genauso, wie wir es Zuhause versuchen zu vermitteln. Es macht mich wütend, wenn Leute meinen Glauben als Berechtigung nehmen, Hass zu verbreiten und Menschen zu verurteilen.

Wie sieht es bei Euch aus? Gehört Ihr einer Glaubensgemeinschaft an und spielt bei Euch Gott eine Rolle im Leben mit den Kindern? Oder seid Ihr Atheisten und lehnt Kirche ab?

19 Kommentare zu „Erntedankfest – Kindergottesdienst

  1. Schwieriges Thema!
    Ich glaube und bin evangelisch aufgewachsen. Unser Sohn geht auf eine katholische Schule, da dort Werte und Religion gelebt werden. Ich gehöre aber zu den Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Warum? Weil mein Mann mit Steuerklasse 3 nie in der Kirche war und ich steuerlich mit Klasse 5 brutal für meinen Glauben bestraft werde. Nachzahlungen von 800-1200 Euro dafür, dass der Ehemann nicht in der Kirche ist, sind weder gerecht noch verständlich. Ich spende der Gemeinde nun jährlich einen Betrag, weil
    ich es möchte und fair finde und weil ich meinem Sohn seinen Weg zur oder von der Kirche selbst überlassen möchte. Er ist getauft und er darf konfirmiert werden. Er hat wunderbaren Religionsunterricht, wir sprechen darüber und lesen die Kinderbibel. Alles Weitere wird er entscheiden und ich stehe hinter ihm!

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  2. Ja, meine Familie und ich sind jüdisch, jedoch sind wir nicht streng gläubig. Ich in sowieso der Meinung, dass es nicht auf die Religion ankommt. Man kann als strenggläubiger Christ genauso ein (Entschuldigung für den Ausdruck) Arschloch sein, wie ein Muslim, Jude, Atheist,… Ebenfalls kann man aber auch ein herzensguter Mensch sein und das ist doch das, worauf es ankommt, oder nicht? Genau diese Einstellung versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln, sie sollen ihre Mitmenschen so behandeln, wie sie auch behandelt werden wollen, egal welche Religion, Herkunft oder Sexualität diese Person hat.

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  3. Als bei uns war das am Sonntag so. Mit Stress knapp rechtzeitig gekommen, mit Engelszungen die Bedeutung des Gottesdienstes unseren drei Jungs erläutert und vom Jüngsten (4 Jahre) gehört: „In der Kirche bekommen immer nur die Großen was zu essen.“ So hatte ich mir den Erntedankgottesdienst nicht vorgestellt, aber bin nun mental vorbereitet: Erstkommunion vorziehen!

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    1. Wir waren übrigens (da ohne Papa, der mit Hustenkind Zuhause blieb) das ungefähr erste Mal pünktlich, was zur entsetzten Nachfrage führte „Aber Mama, die Glocken läuten gar nicht, da ist kein Gottesdienst“, normalerweise hechten wir unter Glockengeläut die Treppe hoch 😂.

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  4. Letzteres. Ich bin Atheist und stehe Religionen sehr ablehnend und kritisch gegenüber. Sicher haben sie, wie auch die zugehörigen Gemeinschaften und/oder Kirchen, auch in meinen Augen auch positive Aspekte, aber insgesamt halte ich sie für schädlich, und ihre Lehren für fundamental falsch.
    Stimme dir aber natürlich zu, dass man trotz unterschiedlicher Auffassungen vernünftig miteinander umgehen sollte. Atheist(inn)en sind ja nicht per se klüger oder besser als religiöse Menschen. Sie haben halt eine andere Meinung zu einer bestimmten Frage.
    Danke für den Beitrag! Ist immer interessant, auch mal andere Perspektiven zu sehen.

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      1. Ja. Ist natürlich kompliziert, und ich sehe auch viele problematische Aspekte, will mich aber kurz fassen, deshalb konzentriere ich mich auf den entscheidenden: Religionen lehren Glauben ohne gute Gründe, und eine Moral ohne rationale Grundlage. Ich kenne natürlich deine konkrete Variante des Christentums nicht, deshalb kann ich dazu spezifisch nichts sagen. Aber die Idee, es wär gut, etwas zu glauben, ohne dafür vernünftige Gründe zu haben, die ich schädlich, weil ich mir wünsche, dass Menschen zumindest versuchen, nur Dinge zu glauben, wenn das auch rational gerechtfertigt ist. Das klappt natürlich nicht immer, aber so als Ziel.

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      2. aber was ist zum Beispiel mit Liebe und anderen Gefühlen? Abgesehen davon verstehe ich zwar, dass Du nicht gläubig bist, aber nicht das Argument der „Schädlichkeit“. Was ist denn mit all den sozialen Diensten und Angeboten der Kirche? Besuchsdienste für Alte und Kranke, Kindergärten, Altenpflegeheime, Krankenhäuser, soziale Beratungsstellen, etc.? Alles Dienste an der Gemeinschaft, die auch Menschen nutzen, die nicht in der Kirche sind.

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      3. Ich sage ja, dass ich auch positive Dinge sehe. Aber für diese Dienste braucht man keinen Glauben, die können auch Atheist(innen) machen. Ich sag ja nicht, dass religiöse Menschen schlecht sind. Viele auf ganz toll.
        Die Frage nach den Gefühlen verstehe ich nicht, fürchte ich. Was meinst du damit?

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  5. Ich bin gläubig und trotzdem aus der katholischen Kirche ausgetreten. Ich bin lange gerne in die Kirche gegangen, nicht jeden Sonntag, aber doch öfter als nur Weihnachten und Ostern, ich hab sogar Erstkommunionsunterricht und Firmunterricht gegeben, aber mit 20/21 habe ich mich mehr mit den Gegebenheiten in der katholischen Kirche auseinander gesetzt und bin immer mehr vom Glauben an dieses Kirchenkonstrukt abgekommen.
    Am Tag der Beerdigung meiner Oma, die für mich immer ein Fels im Glauben war, bin ich aus der Kirche ausgetreten. Manchmal fehlt mir das Ausleben meines Glaubens und wenn jemand über „Glauben“ schimpft, stört mich das immens. Aber in meinem Alltag mit atheistischem Mann und ohne Kirchengemeinde geht Glauben unter…
    Wie das mal für unser Kind wird? Keine Ahnung, aber ich vermute stark, dass er wohl eher atheistisch aufwachsen wird, da wir ja nichtmal Weihnachten oder Ostern eine Kirchengemeinde hätten, in die ich mit ihm gehen könnte. Dafür haben wir ihm extra Paten gesucht, die gläubig sind und zwar einen evangelischen und einen katholischen, so hat er jemanden vertrauten, an den er sich wenden kann, wenn es doch mal dazu kommen sollte, dass er sich mit seinem Glauben auseinandersetzen will und eventuell sogar getauft werden möchte.

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    1. Hallo Iris, wäre es denn für Dich eine Option, beispielsweise evangelisch zu werden? Was waren denn Deine Gründe auszutreten? Wobei ich vermutlich auch nie katholisch wäre. Man darf auch so in einen Gottesdienst gehen oder eben über den KiGa. Bei uns im KiGa finde ich es schade, dass manche muslimischen Eltern nicht mit in die Gottesdienste gehen, da die regelmäßig von den KiGaKindern gestaltet werden. Abee sowas wäre auch eine Option. In meiner Kindheit war ich auch nur Weihnachten mit meiner Mutter in der Kirche, mein Vater ging nie, aber ich war im evangelischen KiGa und bin auf ihren Wunsch hin getauft. Liebe Grüße!

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      1. Oh, es gab viele kleine Gründe, aber der große, der mich am meisten stört, ist, die systematische Diskriminerung von Frauen. Ich könnte, wenn ich das denn wollte, in der katholischen Kirche niemals eine einflussreiche Position erreichen. Einfach nur wegen meines Geschlechts und das geht meiner Meinung nach in der heutigen Zeit einfach nicht. Wie gesagt, nicht der einzige Grund, aber doch der, der mit Abstand am stärksten wiegt. Der im Prinzip ja nichts mit meinem Glauben, sondern tatsächlich mit der Kirche zu tun hat. Von der Sache her hätte mich das sogar beruflich interessiert, eine Gemeinde leiten etc. aber als Katholikin geht das eben nicht.

        Ich habe vom evangelischen Glauben im Prinzip keine Ahnung. Klar, auch christlich, von daher sicher nicht total unterschiedlich, aber das Verständnis mancher Dinge ist ja doch ein anderes. Ich weiß also nicht, ob das meine Art des Glaubens sein könnte. Ich müsste mich also damit beschäftigen, was es bedeutet, evangelisch zu sein im Vergleich zu katholisch zu sein, ich hab ja nicht die eine Kirche mit Gründen verlassen und dann in eine andere einzutreten, ohne mich damit beschäftigt zu haben, was hier anders ist, sowohl im Bereich des Glaubens als auch im Bereich der Organisation.

        Und ganz praktisch:
        Ich bräuchte eine Kirchengemeinde und irgendwie Anschluss, und da hier nur ein Bruchteil der Menschen überhaupt evangelisch ist, ist so einen Anschluss zu finden auch schwer. Ich habe grad auch nicht die Zeit und Kraft, mich damit so richtig auseinander zu setzen, darüber nachgedacht habe ich hin und wieder aber tatsächlich…

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      2. Damit hast Du völlig Recht. Also irgendwo eintreten wäre auch Blödsinn. Wobei man nicht sofort irgendwo eintreten müsste, danach wird keiner fragen, wenn Ihr mal zu einem Fest oder Kindergottesdienst gehen würdet. Deine Kritik der katholischen Kirche teile ich jedoch, daher bin ich sehr froh, dass mein Mann dieses Jahr konvertiert ist. Den Umgang mit Frauen und Homosexuellen kann ich so nicht akzeptieren. Da werden Menschen dazu gebracht, Lebenslügen zu leben, und es wird verurteilt und geurteilt, wobei das von Oben ist, mit Hierarchie kann ich es in dem Zusammenhang nicht so gut. Aber daher finde ich Glaubensfreiheit so wichtig. Entscheiden können, ob man glaubt und dann wie man glaubt. Bitte dann aber mit der Offenheit anderen gegenüber.

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  6. Ich glaube selber nicht an Gott, finde aber prima wie du das geschrieben hast. Ich kann nachvollziehen, wie Menschen in ihrem Glauben Kraft, Halt und Stärke finden. Ich habe da andere Wege. Dennoch respektiere ich jeden Glauben, so wie du geschrieben hast, so lange er keinen Hass verbreitet und andere Menschen als weniger Wert darstellt. Die Menschen sind doch nun einmal alle gleich. Egal welcher Glaube oder Nicht-Glaube, welche Hautfarbe oder sexuelle Orientierung.

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