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Handyverbote in einer KiTa in den Medien

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Grade scheint es wieder aktuell diskutiert zu werden, dabei ist der Aushang und somit die Geschichte schon eine ganze Weile hier. Nachlesen kann man das originale „Verbot“ in diesem Artikel bei Tollabea (einem ganz tollen Familienblog) von April 2016. Dennoch wird auch nun überall auf diversen Seiten wieder darüber diskutiert. Darf oder soll ein Kindergarten den Eltern den Gebrauch ihres Handys verbieten und das „im Interesse einer guten Kommunikation“? Beinahe mehr als diese Diskussion stört mich grade die Art der Diskussion. 

Es gibt nur Schwarz und Weiß. Viele reagieren absolut aggressiv, es scheint für so einige nur die Variante „die können mir nichts verbieten, wie unverschämt!!!!“ oder „das ist auch nötig, man konzentriert sich ganz aufs Kind!!!!!“ zu geben. Urteilend, wahlweise in die eine oder in die andere Richtung. Gerne garniert mit 10 Ausrufezeichen und größter Aufregung, ohne Nuancen.

img_5510Ich stimme zu, dass man beim Abholen auf sein Kind eingehen sollte, ein offenes Ohr und die Aufmerksamkeit beim Kind und seinen Erziehern haben. Erfahren, wie der Tag gewesen ist und was es so Neues gibt. Man muss sicher nicht die ganze Zeit das Handy am Ohr haben oder in der Hand und sich auf das Gespräch mit der besten Freundin über Figurprobleme oder Männer konzentrieren und das eigene Kind ignorieren. Nun folgt jedoch mein aber, das Leben ist nicht so simpel. Es gibt viele gute Gründe, warum jemand genau in diesem Moment telefoniert oder auf seine Nachrichten schaut:

  • ein anderes Kind ist alleine Zuhause oder ruft von irgendwo an
  • ein Familienmitglied ist krank und man wartet auf Nachricht
  • eine wichtige Person hat ein akutes Problem
  • eine arbeitende Mutter kann ihren Arbeitstag nur abschließen, wenn sie dieses Telefonat erledigt hat, und hat erst danach den Kopf frei
  • ein dringendes Telefonat, bei dem man sich die Uhrzeit eben nicht aussuchen kann. Zumindest meine Ärzte rufen zurück, wann es ihnen passt und das ist eben meistens ins der Mittagszeit
  • wichtige Organisation oder Tagesplanung

Es wird auch viele weitere Gründe geben, wie gut oder schlecht sie sind, will ich gar nicht beurteilen. Eine Mutter nannte auch als Möglichkeit, dass sie Termine und Infos abfotografiert, das mache ich auch so (und schicke sie direkt an den Papa oder auch an befreundete Eltern, die grade nicht da sind). Was bei mir oft vorkommt, beim Abholen treffe ich andere Eltern, die Kinder haben gefragt, ob sie sich treffen können. Beide Mamas zücken ihre Handys und gleichen Termine ab, wann es denn passt. Ich schaffe es nicht, alle Termine und Verabredungen aller Kinder im Kopf zu haben. Es ist also sogar gut für mein Kind, wenn ich organisiere, dass er seine Freunde trifft.

Warum muss man so pauschal urteilen? Ein Telefonat, das für mich im Vorbeigehen sinnlos klingt, kann für diese Person wichtig sein, so sehr belauscht man hoffentlich andere Leute nicht, dass man dies wirklich beurteilen könnte. Überhaupt, muss man immer urteilen? Da wird Eltern absolutes Desinteresse und Respektlosigkeit dem Kind gegenüber unterstellt, weil sie mal telefonieren.

Mich persönlich stört am Aushang die Moralkeule, sonst sei es keine „gute Kommunikation“. Mein Kind gehört auch zu den Kindern, die nicht sofort erzählen wollen, er erzählt auf dem Weg zur Schwebebahn. Auch da sollte man Verständnis für verschiedene Gewohnheiten haben, ob das Kind beim Entgegenkommen lossprudelt, auf dem Heimweg erzählt, beim Mittagessen oder erst beim ins Bett bringen oder eben zu jeder Zeit. Wichtig ist, dass Eltern sich Zeit nehmen und das gerne. Außerdem ist nicht nur das Smartphone „böse“, man kann auch anderweitig desinteressiert sein. Statt eines Aushangs wäre es doch vielleicht möglich, bei einem Elternabend ohne Verbote zu thematisieren, wie wichtig es ist, offen für die Kommunikation mit dem Kind zu sein und beim Abholen hinzuschauen? Meistens reagieren doch sowieso nur die selben Eltern, nämlich die, die damit gar nicht gemeint waren. Ich hätte jetzt auch im KiGa nie den Eindruck gehabt, dass Eltern nur aufs Handy konzentriert wären beim Abholen. Vielleicht mal in Ausnahmen, aber oft kennt man diese Familien auch und oft kommt es auch im Gespräch vor „ich bin grad in Eile, weil Kind XY alleine Zuhause ist“ oder sowas. Das ist wie Ruhe oder Hetze beim Abholen. Wenn der Große nach Hause kommt, bin ich gehetzter, als wenn ich weiß, er hat noch eine Stunde Schule oder die Oma ist Zuhause.

ee73c-img_1490Ich gebe zu, ich habe auch mal das Handy vor der Nase, wo ich besser Zuhören sollte. Wenn ich aber an die Vor-Handyzeit denke, da hat man eben ausgiebig telefoniert und wäre genauso abgelenkt gewesen. Bei uns gibt es am Esstisch keine Handys (ich hole meins manchmal für Fotos), da isst und redet man ohne Ablenkung. Aber auch da kommt es vor, dass ein wichtiger Anruf kommt (beim Hausherrn) und dann ist es eben so und er geht raus. Nur, weil ich es störend finde, gilt das nicht für andere Leute ebenso.

Vermutlich ist so ein Aushang nicht ohne Grund entstanden. Sicher gibt es auch Eltern, die sich leider wenig für ihr Kind interessieren, weder auf Augenhöhe gehen, noch das Gespräch suchen und das nicht als Ausnahme an einem gestressten Tag, sondern immer. Da liegt dann aber vermutlich mehr im Argen als nur ein Handy während der Abholzeit.

Wie vieles in der Welt ist die ganze Frage nicht absolut und man muss eben auch einfach ein paar Variablen und Situationen bedenken. Wer nur ein Kind hat oder ein kleineres Kind dabei, kann sich vielleicht nicht vorstellen, dass andere Mamas ein Schulkind alleine Zuhause haben. Wer angestellt arbeitet mit fester Arbeitszeit, kann sich vielleicht nicht vorstellen, dass Selbständige jederzeit angerufen werden können. Wer absolut gesund ist, kann sich weniger vorstellen, dass der Anruf eines Arztes wichtig sein mag. Vielleicht sollten wir eher daraus lernen, statt pauschal zu urteilen, etwas über unseren eigenen Tellerrand zu schauen.

Wie seht Ihr das mit dem Aushang? Findet Ihr es angemessen? Oder eher schlecht gelöst?

2 Kommentare zu „Handyverbote in einer KiTa in den Medien

  1. Ich frag mich bei so Aushängen vorallem immer, was vorgefallen sein muss, damit es für nötig befunden wurde, einen solchen Aushang zu erstellen, ich kenn die bei mir aus meinem ehemaligen Studentenwohnheim oder vom Hochschulsport, ich hab sie immer passiv-aggressive Kommunikationsversuche genannt. (Mein Lieblingszettel war: Das Entfernen von Haaren in den öfffentlichen Duschanlagen ist nicht gestattet.)

    In diesem Fall waren sicher nicht die Mütter und Väter der Auslöser, die mal eben kurz einen Aushang abfotografiert haben oder schnell ans Handy gegangen sind, weil das ältere Kind angerufen hat… Ich glaube auch, dass sich von solchen Ansagen immer die am meisten betroffen fühlen, die eigentlich gar nicht gemeint waren, die machen sich meistens nämlich eh schon Gedanken.
    Eventuell hätte man es anders kommunizieren können, wie du auch vorgeschlagen hast, vielleicht beim Elternabend oder so. Ist nur die Frage, ob die Eltern, die am meisten gemeint waren, da dann gekommen wären oder sich überhaupt angesprochen fühlen. Da ist auch die Frage, wie ist die Kommunikationskultur allgemein im Kindergarten, wieviele Elternabende gibt es, sind die Eltern/Erzieher beim Abholen ansprechbar und haben Zeit, sich kurz auszutauschen oder sind beide im Stress und kurzangebunden?

    Ein solcher Aushang ist in meinen Augen vorallem ein Zeichen einer schlechten Kommunikationskultur. Bei uns in der Kita wissen die Erzieher z. B. auch, welche Eltern eventuell ältere Kinder daheim haben etc., bei uns wird Kommunikation aber auch sehr hochgehalten und die Erzieher sind für die Eltern ansprechbar, erwarten aber auch, dass man selber ansprechbar ist, wenn etwas besprochen werden soll.

    Gefällt 1 Person

    1. Mich wundert das auch und ich denke, es ist so, wie Du sagst. Es fühlen sich sowieso nur die Eltern angesprochen, die nicht gemeint sind und die eben nur mal im Notfall das Handy in der Hand oder am Ohr haben. Bei uns gabs mal den Hinweis bei einem Kindergartenfest, ganz in einem Nebensatz, dass die Aufsichtspflicht bei den Eltern liege. Eine befreundete Mama fragte irritiert nach, ob sie bisher was falsch gemacht habe, da kam auch nur, dass SIE nicht gemeint war. Vermutlich hast Du auch Recht, dass die Eltern sowieso auch nicht zu Elternabenden gehen. Bei unserem Großen kam mal ein Junge nach den Sommerferien erst nicht wieder, nicht krank, sondern Ferien verlängert. Beim nächsten Elternabend wurde Bußgeld und Meldung beim Jugendamt wegen Schulpflicht besprochen, es ist klar, wessen Eltern nicht dort waren?
      Aber genau daher finde ich so Aushänge, die völlig pauschal sind, so unnötig. Genauso könnte man Quatschen mit anderen Eltern verbieten, ich bin auch mal abgelenkt, weil ich mit anderen Mamas quatsche oder mit einer Erzieherin rede. Schlimmer als den Aushang fand ich aber die aggressiven Kommentare so einiger Mütter bei Facebook und in anderen Diskussionen darüber. Die waren noch absoluter als der ursprüngliche Aushang.

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