Babyschlaf – wo und wie schläft das Kind „schläft er schon durch?“

Babyschlaf – muss mein Baby durchschlafen? Was ist Durchschlafen? Wann schläft ein Baby durch? Über gesunden Schlaf für alle und Tipps und Erfahrungen einer erfahrenen Mama zum Thema Schlafen

img_9053Redaktioneller Beitrag Das große Nervthema von frischgebackenen Eltern, die Frage aller Besucher und Bekannten „schläft er denn durch?“. Vorweg, ich vermute mal, die Frage ist oft einfach eine Floskel, weil man interessiert wirken will und nicht weiß, was man fragen soll oder wie man ins Gespräch einsteigt. Aber grad Eltern von nicht schlafenden Kindern trifft diese Frage, denn sie gehen ohnehin oft auf dem Zahnfleisch. Schlafentzug ist eine Foltermethode und die Mehrheit aller Eltern kennt solche Nächte zur Genüge. Wenn man bei Experten nach liest, stellt man schnell fest, dass Babys meistens „schlecht“ schlafen, ist evolutionär bedingt und absolut normal. Die Natur hat es so vorgesehen, aus Sicherheit und eben auch, weil ganz kleine Neugeborene ohnehin Nahrung brauchen. Schlafen ist also ein großes Thema. Ich bin Laie und gebe meine persönliche Erfahrung wieder. Dieser Text ist in keinem Fall eine Empfehlung und ohne Gewähr auf fachliche Korrektheit. 

Wo sollte das Baby schlafen

Offiziell empfohlen ist, dass das Baby in einem eigenen Bett im Elternschlafzimmer schläft, die Broschüre zur gesunden Schlafumgebung gibts bei GEPS. Soweit die Theorie. Dort gibt es dann die Option eines freistehenden Bettchens, eines Stubenwagens oder ein Beistellbett. Unsere Kinder hatten alle ein Babybay. Hitzig diskutiert wird das Co-Schlafen bzw. Familienbett. Die einen raten dazu, wieder andere Experten sprechen von Risiken des SIDS oder des Überrollens durch die Eltern. Als unser Großer geboren wurde, hatten wir im Krankenhaus ein Familienzimmer. Die erste Nacht hat unser Baby durchgebrüllt, er schlief ein, sobald wir ihn abgelegt haben, brav im vom Krankenhaus gestellten Babybay, fing er an zu weinen. Also wieder auf den Arm. Am nächsten Morgen fragte uns die Kinderkrankenschwester völlig verdutzt, warum wir ihn nicht mit ins Bett genommen hätten? Wir haben uns nicht getraut. Sie meinte, das Baby habe in mir gelebt, also sei es doch naheliegend, dass er nicht plötzlich alleine liegen wolle. Ab da schlief er auf Papas Brust.

Zuhause scheiterte das woanders ablegen ebenfalls. Wir haben uns also nicht an die Empfehlung gehalten und er schlieft auf Papa, in der Mitte zwischen uns und nach einer Zeit im Babybay.

Ich bin selbst Bauchschläferin. Wenig überraschend schlief also auch unser Baby am besten auf dem Bauch, ganz abgesehen vom Moro-Reflex. Auch da haben wir uns nicht an die Empfehlung zum Schutz gegen SIDS gehalten. Natürlich rate ich dringend dazu, sich an die Empfehlungen zu halten.

Worauf wir aber trotzdem gut geachtet haben, war, jegliche Decken, Kissen etc. vom Baby fern zu halten. Unsere Kinder schliefen alle im Schlafsack.

Es gibt deutliche Empfehlungen zur Schlafposition = Rückenlage und dem Schlafort = Elternschlafzimmer und eigenes Bett. Manche Babys schlafen so aber überhaupt nicht. Im Bekanntenkreis gab es auch Babys, die bei den Eltern nicht schliefen und frühzeitig ins eigene Zimmer umgezogen sind. Oder die Eltern können bei Babygeräuschen nicht schlafen. Wir haben den für uns passenden Weg gesucht und gefunden, hatten natürlich die Risiken im Hinterkopf, aber uns war es auch wichtig, dass wir alle schlafen können.

Babys schlafen (nicht) durch

Es hält sich irgendwie doch die Annahme, dass Babys möglichst schnell durchschlafen sollen. „Durchschlafen“ ist übrigens offiziell als 6 Stunden am Stück definiert. Babys wachen auf, sie können sich noch wenig selbst bewegen, haben Hunger oder suchen Nähe. Das ist völlig normal! Statistisch schützt das häufige Aufwachen aber auch vor SIDS, dem plötzlichen Kindstod. Tja, und wir haben und hatten „gute“ Schläfer. Unser Großer hat sich mit ca. 8 Wochen die Nachtflasche abgewöhnt und schlief ab Mitternacht bis Morgens „durch“. Wobei ich damit meine, er meldete sich nicht. Jeder Mensch wird mal (fast) wach und schläft wieder weiter. „Durchschlafen“ bedeutet also auch selbst wieder einzuschlafen. Wenn ich mal Nachts wach war (ich schlafe auch nicht immer durch), habe ich mein Baby auch mal gehört wie es nuckelt oder gesehen, dass es sich wach kurz bewegt, um dann wieder ruhig zu werden, ohne Eingreifen unsererseits.

Daher, wenn Euer Baby nicht durchschläft, es ist normal. Genauso ist es normal, wenn Ihr eine kleine Schlafmütze habt, die Euch Nachts schlafen lässt. Es „muss“ auch keiner zum Zeitpunkt X durchschlafen. Manche Menschen schlafen besser, andere schlechter. Ihr macht auf jeden Fall nichts falsch, wenn Euer Kind nicht ideal schläft. Genauso gibt es Kinder, die eben sehr lange Nachts noch gestillt werden wollen oder eine Milchflasche haben.

Unsere Kinder haben alle gut geschlafen. Was mich daran aber nervt, ist, dass unter Eltern gern behauptet wird, man lüge. Besucher oder Übernachtungsgäste waren immer überrascht, dass er „wirklich durchschläft“. Der Große hat mit 4 Monaten beschlossen, dass er um 20 Uhr müde ist und ab da dann eben 11-12 Stunden schläft. Der Mittlere und der Kleine hatten jeweils lange noch eine Nachtflasche, wenn wir ins Bett gegangen sind.

Man darf sich auch freuen, wenn das Kind gut schläft. Es ist schade, dass manche es als Angeben verstehen. In Babykursen habe ich ungefragt überhaupt nichts mehr zum Thema gesagt, weil man ohnehin negative Reaktionen bekommt. Ich fühle mit allen Mamas, die zuwenig Schlaf bekommen und habe Hochachtung, wie sie tagsüber wach bleiben und den Alltag toll wuppen.

Am Schlaf basteln

Remo Largo empfiehlt in seinem Buch „Babyjahre“ (das einzige Buch, das ich immer empfehle zu kaufen), ein Schlaftagebuch zu führen. Das Schlafbedürfnis unterscheidet sich auch schon bei Babys. Unsere haben nie diese angeblichen bis zu 18 Stunden als Neugeborene geschlafen. Wenn man den Schlafbedarf kennt, kann man ggf. versuchen, ein bißchen was zu schieben. Also Baby später ins Bett. Zumindest unsere Kinder haben eindeutige Signale gesendet, wann sie müde sind.

Man kann kein Baby mit geringem Schlafbedarf zum Vielschläfer machen. Genauso wie wir Erwachsenen brauchen nicht alle gleich viel Schlaf.

Schlafoptimierung

Mit dem Tagebuch und der Optimierung der Schlafumgebung kann man aber mit Geduld versuchen, das persönliche Optimum zu finden. Es kann funktionieren, aber auch gradios scheitern. Zunächst würde ich das Schlaftagebuch führen, wann, wie lange, wie eingeschlafen und wo. Von „Schlafprogrammen“ wie Ferber („jedes Kind kann schlafen lernen“ rate ich persönlich dringend ab! Besser sollen die „no cry sleep“ Methode sein oder das Buch „Lotta schläft „endlich“ sein. Allerdings haben wir uns damit nie groß befasst. Ein Baby weint nicht, weil es uns manipulieren will, kognitiv sind Kinder zu solchen Überlegungen erst später fähig. Ein Baby äussert sein Bedürfnis und das ist oft Nähe. Babys haben auch noch kein Zeitgefühl und mal ehrlich, wie würde man sich selbst fühlen, wenn man krank im Bett liegt, sich nicht selbst helfen kann, man ruft und keiner kommt? Wenn wir Durst haben und nichts bekommen, weil es die falsche Uhrzeit ist?

Falls das alles nichts bringt: es wird irgendwann besser! Oft ist es nur eine Phase. Uns wollte aber jeder bei den gut schlafenden Kindern einreden, dies sei auch nur eine Phase und gehe vorbei.

Unsere Nächte

Auch unsere Großen haben lange im Beistellbett geschlafen. Ins Bett gebracht wurden sie im eigenen Zimmer, aber grade in der Babyzeit haben wir sie irgendwann geholt. Daher gab es bei uns auch sehr lange auf beiden Seiten Beistellbetten (offenes Ikeabett auf unserer Betthöhe und später eine Eigenkonstruktion), wenn unsere Kinder Nähe möchten, bekommen sie sie. Die Großen schlafen in den eigenen Zimmern durch, phasenweise schlafen sie aber auch zusammen in einem Zimmer. Der Kleine (29 Monate) schläft im Arm ein und wird schlafend bei sich ins Bett gebracht und kommt meistens irgendwann zu uns. Das kann um 23 Uhr sein, um 1 oder auch Morgens um 7 zum Kuscheln. Oder er schläft bei sich durch und rennt Morgens an der Küche vorbei in unser Schlafzimmer, wo zu seinem Entsetzen keiner mehr ist, denn uns in der Küche hat er übersehen. Übrigens sind alle Kinder immer noch meistens Bauchschläfer.

Kinder sind nur kurz so klein und auch, wenn man müde und erschöpft ist, sie zu begleiten ist doch wunderschön.

Mehr zu unserem Leben, den Herausforderungen und Reisen mit drei Kindern findet Ihr unter dem Thema „Alltag“

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