Die Sache mit dem Teilen – Leben mit drei Kindern

Werbung ohne Auftrag, da Verlinkung und Markennennung: Sarah von Mamaskind.de hat zu einer Blogparade aufgerufen „Müssen Kinder teilen lernen: ja oder nein?“

Ein unangenehmes Erlebnis mit dem Teilen

Wie oft hört man auf dem Spielplatz, dass das Kind teilen müsse. Mir blieb besonders eine Situation in Erinnerung. Wir waren da das zweite Mal im Phantasialand und vom ersten Besuch wussten wir, dass dort ein sehr schöner Spielplatz ist und haben daher für unsere beiden Kinder plus deren Freund drei Schaufeln eingepackt. So spielten die drei zusammen im Sand. Vor Ort war kein Sandspielzeug, fremde Kinder fragten also nach den Schaufeln, die die Kinder nicht abgaben. Dass Kinder fragen, kann ich noch völlig verstehen, dann kamen aber die Eltern, die sich teilweise ereiferten, wie unverschämt und egoistisch es sei, dass unsere Kinder ihre eigenen Schaufeln nicht fremden Kindern geben und wie asozial wir seien?!

Meine Kinder müssen nicht mit Fremden teilen

Da habe ich das erste Mal bewusst darüber nachgedacht. Denn anders als bei uns im damaligen Wohnveedel Nippes kannte man sich nicht einmal flüchtig und wir wurden nicht nett angesprochen oder die Kinder spielten sowieso miteinander. Wildfremde Leute erwarteten, dass ihre Kinder einfach unsere Sachen nehmen dürften.

Wie Sarah auch schon gut anmerkt, teilen wir einfach unsere Sachen? Wenn jemand komplett Fremdes nach unserem Handy oder unserer Jacke, die grad über dem Stuhl hängt fragt, oder sie sich gar nimmt, finden wir das in Ordnung? Wenn jemand in unser Wohnzimmer ginge und sich ein Buch oder eine CD nimmt? Man hat das Recht „Nein“ zu sagen. Das Gegenüber hat kein Anrecht auf meine Sachen und auch Kinder können für sich entscheiden, ob sie jemandem etwas leihen. Besonders absurd war an der Situation eben, dass unsere Kinder selbst mit den Schaufeln spielten und die Eltern richtig wütend auf uns waren.

Teilen mit Freunden und Geschwistern

Etwas anders sehe ich aber das Teilen mit Geschwistern und Freunden. Natürlich gab es auch da Anfangs manchmal Probleme. Kleinkinder verstehen das Prinzip eben nicht, für sie hat das jemand anderes und sie nicht mehr. Dass sie es zurück bekommen, haben sie noch nicht im Blick. Es ist aus meiner Sicht aber auch eine Frage der Übung und situationsabhängig.

Teilen üben

Beim Großen damals, der da noch Einzelkind war, haben wir früh begonnen, vor Besuch zu klären, dass, was frei da steht, auch vom Besuch benutzt werden darf. Was niemand nehmen sollte, wurde weg geräumt. Denn selbst mit dem coolsten Auto spielen und dem Freund sagen, er dürfe gar nicht, fanden wir auch nicht fair. Das funktionierte überraschend gut und wenn der Besuch weg war, wurde das Spielzeug wieder raus geholt.

Eine weitere Taktik haben wir etwas später geübt: das Abwechseln. Da waren sie schon im „jetzt bin ich aber dran“ Alter. Es klingt vermutlich albern, aber Anfangs haben wir den Wecker gestellt, immer auf 5 Minuten, nach 2x darauf hinweisen „jetzt tauscht ihr bitte“ tauschten sie beim Klingeln automatisch und nach kürzester Zeit war gar kein Wecker mehr nötig. Geübt haben wir das mit seinem allerbesten Freund, da sie sich sehr gern mochten und da auch empathisch waren.

Teilen mit den Geschwistern

Hier leben drei Kinder in einem Haushalt, daher gehört Teilen im Alltag automatisch dazu, sei es die Aufmerksamkeit von uns Eltern, die Oma beim Spielen oder eben Spielsachen. Wir legen Wert darauf, dass jeder eigene Dinge hat, unsere Kinder wissen auch genauestens (besser als ich), wem was gehört.

Natürlich dauert es, bis der jeweils kleinere Bruder es lernt, Anfangs greifen sie alles, was sie bekommen können. Eine unserer Lösungen ist auch, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer hat, wo seine Sachen sind und die Großen ein Türgitter, so dass der Kleine nicht einfach ins Zimmer gehen kann. Denn alle haben ein Recht auf Privatsphäre und auf ihre eigenen Sachen.

Meistens funktioniert es

Teilen funktioniert hier meistens ganz gut, auch, weil wir verhandeln, wenn einer von uns Abends alleine mit den Kindern ist und nicht allen Vorlesen kann, wird angeboten, einem am nächsten Abend vorzulesen und dafür länger. Außerdem haben wir zugegebenermaßen einige Dinge mehrfach im Haushalt. Jeder hat eine inzwischen eine Toniebox und ein eigenes Wobbel, denn um das Wobbel haben sich der Kleine und der Mittlere schon gehauen und geschubst (der Große hat ein eigenes XL). Genauso hat jeder einen eigenen Platz mit Hochstuhl und ein eindeutig eigenes Set, sowie einen ganz eigenen Teller.

Wenn sie zusammen spielen, wird entweder das eigene Spielzeug genommen oder zugeteilt, letzteres führt auch mal zu Streit, wenn eben nicht das gewünschte Lego-Auto geliehen wird, sondern ein anderes. Oder eben noch jemand von den Freunden mitspielt, der das tollste Auto bekommt, dann ist er wütend auf den Bruder.

„Meins“

„Meins“ ist hier trotzdem ein wichtiges Wort. Es spielt für die Kinder eine Rolle, wem etwas gehört, der dann der „Bestimmer“ (ebenfalls wichtiges Wort) ist. Hier wird aber auch viel vererbt, das Duplo ist vom Großen zum Mittleren und dann zum Kleinen gewandert und das ist allen bewusst. Kleidung wird hier auch weiter gegeben, es kommen immer auch neue Sachen dazu, aber es wird sogar als Ehre gesehen, wenn man etwas cooles vom großen Bruder bekommt. Wir können und wollen nicht alles neu kaufen, achten aber darauf, dass auch die Kleinen sich mal Shirts, Schuhe oder eine Jacke aussuchen können, die dann ganz ihrs sind.

Absolut nicht teilen oder abgeben müssen sie sowas wie ein Lieblingskuscheltier, da unterstütze ich auch das zurück holen, wenn es sich jemand nimmt. Ein Besucherkind kann nicht wissen, dass die „Po“ des Kleinsten der absolut wichtigste Gegenstand auf diesem Planeten für ihn ist. Genauso müssen meine Kinder aber auch Dinge zurück geben, wenn es gewünscht wird und wenn sie es nicht sowieso machen, greife ich ein.

Teilen „Jein“

Ich persönlich halte es für wichtig, Teilen oder auch abgeben zu lernen. Aber ohne großen Druck, vieles kommt mit zunehmender Reife. Es kommt aber immer auf die Situation an. Wie ich nicht alles teilen möchte, müssen es auch meine Kinder nicht. Ich weiß für mich auch, wem ich Dinge leihen möchte und wem nicht, wenn man etwas kaputt zurück bekommt, macht Teilen oder Leihen keinen Spaß mehr.

Im Kindergarten lernen Kinder spätestens das Teilen, wobei ich es auch für Aufgabe der Eltern halte. Trotzdem klappt vieles im Kindergarten besser, weil alle Sachen dem Kindergarten gehören und niemandem alleine.

Dennoch finde ich es wichtig, dass Kinder Grenzen setzen lernen und ihre Grenzen respektiert werden, sei es, wenn es um ihren Körper geht (was ich für noch wichtiger halte) als auch um ihre eigenen Sachen. Umgekehrt sollen sie lernen, Wünsche und Grenzen anderer zu akzeptieren.

Schaut mal bei Sarah rein, was andere Mamas darüber schreiben und natürlich könnt Ihr auch gern hier einen Kommentar hinterlassen! 

 

 

Ein Gedanke zu „Die Sache mit dem Teilen – Leben mit drei Kindern“

  1. Liebe Denise,
    krass, was für ein guter Beitrag. Bzw. finde ich eure Umsetzung im Alltag toll.
    Drei Kinderzimmer dürften sehr helfen, darauf spekuliere ich auch im neuen Haus. Den Tipp mit dem coolen Spielzeug weglegen, nehme ich gerne mit.
    Und auch das mit Fremden nicht teilen müssen. Stimmt: Who cares, was andere denken (ich leider oft)?
    Vielen Dank für die wichtigen Tipps! <3
    Liebe Grüße
    Sarah

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