Zeugnis – Erleichterung und Frust

Werbung ohne Auftrag* Bei uns in NRW gab es Freitag Zeugnisse. Im Freundeskreis wurden die Zeugnisse an den Schulen im Laufe der Woche verteilt, bei uns war es erst Freitag so weit. Neulich habe ich über unseren Schulfrust berichtet und was mich an der aktuellen Situation so wütend macht. Jetzt halten wir das Zeugnis in den Händen.

Erleichterung

Als erstes kam die Erleichterung. Da wir von der aktuellen Lehrkraft nicht mehr allzuviel erwarten nach dem grandiosen Elternsprechtag, waren wir sehr erleichtert, dass er zumindest das Kreuzchen bei der eingeschränkten Gymnasialempfehlung hat. Wir teilen diese Einschätzung zwar überhaupt nicht und in NRW zählt im Endeffekt der Elternwille. Aber es erleichtert die Anmeldung, da man mit dieser Empfehlung ganz unproblematisch am Gymnasium anmelden kann. Sonst wären es zwei intensive Gespräche, eins davon auch mit der Realschulleitung und dem Einwirken darauf, dass man sich umentscheidet.

Unser Sohn kann also sich nun an seiner Wunschschule anmelden, die ihn bei der Besichtigung und am Hospitationstag absolut überzeugt hat (uns auch).

Der Frust

Zunächst war der Große sehr glücklich und erleichtert, dann wurde er aber irgendwie aggressiver und traurig. Zwei seiner Freunde haben nämlich absolut nachvollziehbarerweise keine Gymnasialempfehlung bekommen. Dafür Kinder, wo er es eben nicht so verstehen kann. Einer seiner Freunde hat eine vollumfängliche Empfehlung bekommen, hat aber den selben Notenschnitt wie er. Uns wurde im Gespräch ein vorgebener Notenschnitt genannt, der erreicht werden müsse. Den findet man aber nirgendwo nachlesbar.

Meistens ein Buch vor der Nase – auch zum Zeugnis gabs ein Buch

Die Noten

Einige seiner Noten können wir absolut nachvollziehen und im Großen und Ganzen sind wir zufrieden mit seinem Zeugnis. Wir wissen, dass die Schule andere Maßstäbe bei den Noten ansetzt als andere Schulen. Daher finden wir auch 3en gut und er hat auch viele 2en. Dass Rechtschreibung die Baustelle ist, an der wir arbeiten, ist ebenfalls klar. Wie er aber in Mathe mit 3+ vorbenotet sein konnte und dann die letzte Arbeit 2- schreibt und auf dem Zeugnis eine 3 stehen hat, verstehe ich nicht. Mathe fällt ihm total leicht, wir bekommen auch das Feedback, dass er es gut könne, sich aber in den Arbeiten besser konzentrieren müsse. Mit einer 2 in Mathe hätte er aber einen noch besseren Notenschnitt. Vielleicht war das nicht gewollt? Denn die 1 in Sachkunde hat eine andere Lehrkraft vergeben.

In Religion hat er eine 3, die uns zunächst etwas irritiert hat. Bis wir erfahren haben, wer alles eine 4 in Reli hat. Ich verstehe nicht ganz, wieso man in der Grundschule eine so extrem hohe Erwartungshaltung an Beteiligung und Leistung hat. Der Große meint, er habe sich gut beteiligt und das glaube ich ihm auch. Seine 1 in Sachkunde hatten wir eigentlich erwartet. Er ist so wissensdurstig und merkt sich alles, was er irgendwo gehört oder gelesen hat.

Am Tablet Rechtschreibung üben

Fehlende Transparenz

Uns fehlt weiterhin die Transparenz. Denn die Kriterien auf dem Infozettel zu den Empfehlungen erfüllt er. Unter anderem steht da „liest gern und viel“. Mehr Lesen als der Große kann man kaum und er versteht auch, was er liest. Wir führen Detaildiskussionen über Harry Potter oder er bringt Sachwissen aus seinen Sachbüchern ein. Es gibt aber privat gar nicht lesende Kinder, die eine vollumfängliche Empfehlung haben und auch mit identischem Notenschnitt, wo aus unserer Sicht dann doch beide gleich eingeschätzt werden müssten. Wonach die Empfehlungen also vergeben werden, widerspricht sich. Es gibt eben keine nachvollziehbaren, transparenten Kriterien. Meinem Eindruck nach liegt es immer an der subjektiven Einschätzung der Lehrperson. Wie objektiv das ist, wenn eine einzige Person etwas entscheiden darf, darüber kann man streiten. Ich habe dazu eine Meinung.

Wir freuen uns auf August

Nun freuen wir uns auf den August bzw. eigentlich auf den Start der Sommerferien. Neue Lehrer, eine neue Schule. Hoffentlich in einer Klasse mit seinen Freunden und natürlich hoffen wir, dass er angenommen wird. Falls es zuviele Anmeldungen gibt, wird ausgelost. Unkommentiert hinnehmen werden wir die Bewertung aber auch nicht.

In 2 Wochen ist die Anmeldung, zusammen mit vielen Kindern seiner Klasse und danach darf er sich dann bald den Schulrucksack für die 5. Klasse aussuchen. Zum Zeugnis gab es zu seiner Freude das 5. Animox Buch und er darf eigentlich jetzt durchatmen, allerdings werden auch schon wieder Arbeiten geschrieben. Für die Junior Uni hat er sich heute auch angemeldet und bald wechselt er zum Gitarrenlehrer des Mittleren, Harfe spielt er weiter. Also geht der Alltag weiter.

Hausaufgaben

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4 Gedanken zu „Zeugnis – Erleichterung und Frust“

  1. Das mit der fehlenden Transparenz ging mir in diesem Halbjahr auch so. Wir sind zwar erst 3. Klasse, aber dennoch habe ich mich ständig total uninformiert gefühlt. Ich musste mich an Hausaufgaben entlang hangeln und konnte immer nur erahnen, was gut läuft und was nicht. Manchmal würde ich mir eine Art Zwischenbericht wünschen und nicht ein Gespräch einmal im Jahr und dann ein fertiges Zeugnis. Ich gratuliere zur Gymnasial Empfehlung!

    1. Hi, bei uns ist auch die Vergabe der Noten intransparent bzw. entweder sind wir Eltern alle doof oder die Angaben sind widersprüchlich. Wir werden auf jeden Fall nachhaken, weil es alles rechnerisch auch nicht hin kommt, jedenfalls meiner Meinung nach. Meinem Eindruck nach ist das Meiste echt abhängig von der jeweiligen Lehrkraft. liebe Grüße und Danke!

  2. Mein Bruder hatte damals eine Hauptschulempfehlung bekommen . Er und die Lehrerin kam garnicht zurande. Er hat das Abitur abgeschlossen ein Duales Studium gemacht und leitet inzwischen Die zweigstelle in Johannesburg einer weltweit agierenden Firma .

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