Schulwechsel – das erste Fazit zum Gymnasium

Werbung ohne Auftrag* Im letzten Jahr war der Notendruck in der Grundschule und der Stress um den Schulwechsel hier großes Thema. Denn um Lernen um des Lernens Willen ging es leider gar nicht. Wir waren in der Grundschule mit einigen Dingen und Zeugnissen nicht zufrieden, was zu einem deutlichen Anteil an der Lehrkraft lag (von der Lehrerin des Mittleren sind wir begeistert). Daher war für uns das Ende der Grundschulzeit des Großen eher herbei gesehnt. Einige von Euch haben gefragt, wie denn nun der Schulstart verlaufen sei.

Immer der Jüngste

Wir leben in NRW, hier ist der Stichtag zur Einschulung der 30.9., es wird also auch den Kleinen betreffen. Unser Großer musste mit 5 in die Schule. Die Chance auf eine Rückstellung ist in NRW gering und dazu kam, um eine Erzieherin zu zitieren „dafür ist er zu schlau“. Bei der Schuluntersuchung ging es nur um die physische und kognitive Reife, die er hatte. Das erste halbe Jahr Schule war für uns alle unschön. Immerhin war er vom Stoff nicht überfordert, aber unter dem System an sich litten wir alle. Wir hätten ihm noch ein Jahr KiGa gewünscht.

So kamen auch Druck und Noten für uns gefühlt ein Jahr zu früh für ihn. Auch der Schulwechsel war nun mit 9. Immerhin setzt das Gymnasium nun wieder G9 um, unser Großer wird also nicht minderjährig die Schule verlassen, falls er ohne Wiederholung oder Auslandsjahr durch die Schulzeit kommt.

Fünftklässler am Gymnasium

Angenommen am gewünschten Gymnasium

Im Vorfeld der Schulanmeldung gab es einige Gespräche, wo mir das gewünschte Gymnasium schon positiv auffiel: man kann miteinander reden. Das Anmeldegespräch lief dann auch besser als erwartet, wir sind mit gutem Gefühl nach Hause gegangen und auch der Probetag gefiel dem Großen richtig gut. Seine Freunde und er konnten auch dem Matheunterricht der 5. Klasse folgen und fanden den Unterricht spannend. Denn das war eines der Probleme in der Grundschule. Einige Fächer bzw. Lehrkräfte fand er nicht besonders interessant oder den Stoff zu wenig vertieft. Man kann über den Großen einiges sagen, aber er ist ein absoluter Wissens-Schwamm und Bücherwurm und saugt Informationen auf. Schon bei der Anmeldung fragte er, wann es den Bibliotheksausweis gebe und dass es ab der 5. Klasse Informatik gibt, finden er und wir auch richtig gut.

Die Freude war also riesig, als die Zusage zu einem Platz am Stadtteil-Gymnasium kam. Dieses Jahr wurden nämlich auch Schüler abgelehnt. Noch größer war die Freude, dass auch all seine Freunde genommen wurden. Beim Kennenlerntag erfuhren wir dann, dass auch alle seine mit ihm wechselnden Klassenkameraden in die gleiche Klasse kamen und noch drei FreundInnen aus dem Kindergarten.

Der Start in den neuen Alltag

Nun begann also alles neu. Ein neuer Schulweg, eine riesige Klasse mit 30 Kindern und zwei neue KlassenlehrerInnen. Dazu viele neue Fächer, neue Abläufe und es wird mehr Selbständigkeit erwartet. Mit seinem Klassenlehrer und seiner Klassenlehrerin ist der Große total glücklich, beide sind jung, kompetent und nett. Die Schule beginnt eher und er hat mehr Stunden, aber der Schulweg ist kürzer. Wenn er 6 Stunden hat, ist er dennoch 30 Minuten eher Zuhause. Verpasst haben wir leider die frühzeitige Anmeldung eines Spinds.

Auch auf Reisen müssen nun Schulsachen mit

Zwei Tage die Woche hat er Nachmittagsunterricht, isst also mit seinen Freunden in der Mensa. Es bleibt auch Zeit für die Bibliothek und Zuhause zum Spielen. Die Bibliothek ist eins der Highlights der neuen Schule für ihn. Einfacher wurde der Start auch dadurch, dass er eben 12 Kinder seiner Klasse schon kennt, was auch ein Vorteil bei einem unschönen Vorfall mit einem neuen Mitschüler war. Denn der Große und das andere betroffene Kind kennen und vertrauen sich.

Neue Fächer – mehr Lernen

Der Große ist auf jeden Fall begeistert über die Vielfalt der Fächer, nun gibt es nicht „nur“ Sachkunde, sein Lieblingsfach, sondern Erdkunde, Politik, Biologie und Informatik. Der Englischunterricht hat natürlich auch eine ganz andere Qualität und unheimlich toll findet er auch Musik und den Musiklehrer. Er äussert öfter, dass er das Wissen der Lehrer super finde und dass (Zitat) „uns nicht nur was von Wikipedia gesagt“ werde. Wie immer liest er auch viel und neben Fantasy Romanen eben auch gern Sachbücher zu allen Themen.

Bisher haben wir das Wort „doof“ noch nicht gehört, sondern nur mal, dass ein Thema „ein bißchen langweilig“ sei. Außerdem findet er auch alle Lehrer freundlich und gut. Unser Großer befolgt gern Regeln, daher hat er auch keine Kritik an strengeren Lehrern. Er erzählt oft und fröhlich von Scherzen und guter Stimmung.

Musikliebe

Die Sache mit der Selbständigkeit

Es ist aber nicht alles perfekt oder heile Welt. Der Große ist immer schon ein wenig verpeilt und bekommt öfter etwas nicht mit. So schrieb er alle drei bisherigen Klassenarbeit völlig „überraschend“. Natürlich waren sie angekündigt, er hatte aber jeweils das falsche Datum oder nichts notiert. Dafür ging es aber gut aus mit einer 2 und zwei 3en.

Auch habe ich ihn mal um Mitternacht Hausaufgaben machend im Bett gefunden. Er dachte, er habe in dem Fach nichts auf und erfuhr es per WhatsApp. (er hat es dann Morgens erledigt). Wenn er etwas vergessen hat, wie neulich ein Buch fristgerecht in der Bibliothek wieder abzugeben, stresst ihn das sehr.

Er liest immer noch viel und gern

Mehr Lernen

Die Fächer sind verteilter über die Woche, so dass er nicht jeden Tag Mathe und Deutsch auf hat wie in der Grundschule, sondern eben auch einteilen muss und Hausaufgaben von Dienstag auf Freitag hat oder von Donnerstag auf Montag. Das klappt eigentlich gut, aber er hat auch schon mal etwas vergessen und manchmal muss etwas mit übers Wochenende mit.

Wirklich problematisch ist hier Englisch. Wir hatten von Schuljahresbeginn Diskussionen, dass ich der Meinung war, er müsse Vokabeln lernen und er es etwas anders sah. (Ja, ich hatte Recht). Er war auch der Meinung, er müsse die Vokabeln dann nur lernen, nicht abschreiben. Letzte Woche hat er dann festgestellt, dass er sie (völlig überraschend) doch abschreiben muss.

Englische Vokabeln

Bei den Englisch-Hausaufgaben finden wir langsam unseren Weg. Die erste Zeit bekam ich Wortsalat mit übler Rechtschreibung vorgelegt. Auf meine Empfehlung, sich sowohl Grammatik als auch Aufgabenstellung und Vokabeln anzusehen und es dann neu zu machen, wurde mir Wortsalat 2.0 vorgelegt. Danach sah er dann ein, dass er vielleicht erst mal nach liest, um dann fröhlich „ach, jetzt hab ich es verstanden!“ zu rufen und es mir halbwegs korrekt wieder zu zeigen. Inzwischen spielen wir das nur einmal durch: Wortsalat und dann nach dem Angucken „jetzt kapier ich das!“. Seine Rechtschreibung bleibt ohnehin Baustelle, aber dafür ist er im LRS Förderkurs.

War die Schulwahl richtig?

Von meinem Bauchgefühl und dem Eindruck des Großen, dass er Schule nicht mehr hasst, sondern fröhlich hin geht und nach Hause kommt, ist die Schule die richtige Wahl. Er begeistert sich für Fächer und Lehrer, fühlt sich sehr wohl mit seinen Freunden. Bisher empfindet er auch alle Lehrer als fair und nett. Der erste Elternsprechtag steht noch bevor, ich bin gespannt auf das Feedback der Lehrer. Bisher war aber auch die Kommunikation per Mail sehr positiv. Zum Halbjahr möchte der Große in die Orchesterklasse und dort Harfe spielen. Seine Begeisterung für den Musiklehrer ist riesig, aber er findet viele Lehrer nun richtig toll. Ich habe nur etwas Zweifel, dass er sich genug am Unterricht beteiligt.

Wie es langfristig ist, müssen wir sehen. Die ersten Arbeiten waren okay, aber es könnte noch besser sein, wenn er sich mehr konzentriert und auch mal lernt. Denn leichter wird es nicht. Letzteres wird noch eine Weile Baustelle bleiben, der Große sieht noch nicht ein, dass er über die Hausaufgaben hinaus Stoff wiederholen und lernen könnte. Wichtig ist uns aber, dass er nicht ungern zur Schule geht und es spannend findet. Er ist jedenfalls mit seiner Schule glücklich. Meinem Eindruck nach ist der Druck bisher auch nicht höher als in der Grundschule.

Wie ist es bei Euch? Gab oder gibt es einen Schulwechsel?

Harfe wird bei ihm hoffentlich auch bald Instrument im Schulorchester

*unbezahlte, unbeauftragte Werbung, Marken erkennbar, Markennennung, eigene Artikel verlinkt

6 Gedanken zu „Schulwechsel – das erste Fazit zum Gymnasium“

  1. Dein Bericht spricht mir aus der Seele und macht mir Mut. Nächstes Jahr steht bei unserem Jüngsten der Schulwechsel an. Auch er hatte eine miese Grundschulzeit mit einer Lehrerin wie eure und dazu noch keinen Anschluss in der Klasse. Nun bin ich hin- und hergerissen, welche Schule die Richtige ist. Es ist schwierig ihn einzuschätzen aufgrund der Erfahrungen in der Grundschulzeit. Beim Großen war das ganz klar, er hatte auch eine prima Lehrerin und eine supertolle Klasse. Kognitiv ist der Kleine fit, ist neugierig und wissenshungrig.

    1. Hallo Kathrin, wir waren auch nicht absolut sicher, aber haben uns auf unser Gefühl und wo er sich eben wirklich wohl gefühlt hat gehört. Sie waren alle beim Probeunterricht, Informationstagen etc.. Ob es absolut richtig ist, werden die nächsten Jahre zeigen. Ich finde es so schade, dass Euer Jüngster auch keine schöne Grundschulzeit hat. Es hängt so viel an der Lehrkraft, ob Sympathie oder wie die Person damit umgeht. Nicht jeder mag jeden gern. Wir hatten immerhin den Vorteil einer tollen Klassengemeinschaft, zumindest auf seine Freunde hat er sich immer gefreut. Euch alles Liebe und berichte gern mal!

  2. Hallo, wir sind in der gleichen Situation mit unserer Tochter, die ebenfalls im Sommer aufs Gymnasium gewechselt ist. Vieles von Deiner Beschreibung (motivierte junge Lehrer, guter Stundenplan, viele alte Mitschüler und daher vertraute Umgebung, glückliches Kind) kommt mir sehr bekannt vor und genau wie bei Dir, wurde Vokabel lernen hier nicht ernst genommen. Richtig schreiben „egal“, ungefähr wissen absolut ausreichend für unsere Tochter, Vokabeltest mit Note ok, reicht ! Ehrlich gesagt, hat sie mich mit ihrem in der Grundschule gelebten Minimal Prinzip geschafft und ich habe lange mit mir gehadert, ob ich sie nicht einfach lasse! Nur ist meine Sorge, dass die Motivation und Freude auf der Strecke bleiben, wenn sie merkt, dass alle Mitschüler bessere Noten schreiben! In Englisch haben wir kürzlich Phase 6 gekauft, ein Computerprogramm mit dem sie Vokabeln lernt und bei regelmäßiger Nutzung und guten Ergebnissen mit einem Spiel belohnt wird ! Google mal, für uns ist es eine gute Unterstützung im Alltag ! Sie macht es freiwillig, täglich und die Vokabeln sind ihrem Schulbuch entsprechend!
    War ein Tip von einer anderen Mami… ich könnte noch weitere 5
    Punkte aufgreifen, in denen Du unsere Situation beschreibst… Glg

    1. Hallo Gabi, danke für den Tipp! Wir haben schon Vokabelkärtchen und ich überlege, ob ich das Arbeitsheft kaufen. Ich kenne es gar nicht, dass man etwas „extra“ macht, mir fiel Englisch Anfangs aber auch echt schwer, das weiß ich noch. Er ist es eben auch nicht gewohnt, ausserhalb des Unterrichts und der Hausaufgaben zu lernen und ihm reicht es, es grundsätzlich zu können. liebe Grüße!

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