So viel Hilfsbereitschaft – Coronatagebuch

Gestern war mir nicht nach Schreiben. Denn das geringste Problem ist hier das Homeschooling. Das klappt übrigens dank des unheimlich tollen Gymnasiums bzw. dessen Lehrerinnen und Lehrern wirklich gut. Kleine technische Hindernisse oder auch sonstige Probleme werden schnell gelöst. Auf Mails gibt es sehr schnelle und nette Antworten.

Der Hausherr sitzt fest

Mein Mann, der Papa der Kinder, ist seit Anfang des Monats beruflich in Mexiko. Ich hatte sowieso kein gutes Gefühl, da ich die Nachrichten verfolgt habe und mit der Ausbreitung von Corona gerechnet habe. Leider fand er es aus beruflichen Gründen wichtig zu reisen. Und nun stehen wir da. Er steckt fest. Anfangs noch komfortabel unbeeinflusst von Corona. Langsam sieht es auch dort anders aus. Sein Heimflug wurde vorverlegt und wir waren so naiv, es den Kindern zu sagen. Inzwischen sind 4 Direktflüge, auf die er gebucht war, gecancelt worden. Die Infos wechseln dauernd. Die Website des Auswärtigen Amts für im Ausland fest sitzende Deutsche erreichen sie nicht. Per Mail gab es auch noch kein Feeback.

Immer neue Flugdaten

Es gibt immer neue Flugdaten. Immer wieder wird der jeweilige Flug annuliert. Aktuell heisst es, er fliege Freitag um 20:55 Ortszeit nach Frankfurt. Glaube ich daran noch? Nein. Ich glaube daran nicht mehr. Wie er sitzen auch viele andere Deutsche irgendwo fest. Europa riegelt sich ab. Länder werfen buchstäblich Ausländer raus.

Duschen, Anziehen, Schminken – Normalität im Ausnahmezustand

Unser Alltag

Den Kindern ist der komplette Alltag, der ihnen Sicherheit und Orientierung gibt, weggebrochen. Für den Mittleren und Kleinen sind es gefühlt „Ferien“. Der Große erfasst die Situation aber komplett. Sowohl, die Tatsache, dass Papa auf einem anderen Kontinent fest hängt als auch, wie sehr Corona alles verändert. Beide Eltern Zuhause wäre auch „Sicherheit“. Die fehlt. Daher, ich gehe hier nie ins Detail. Aber dem Großen geht es nicht gut und mir auch nicht. Dienstag habe ich irgendwann nur noch geheult.

Homeschool ist Normalität

Hilfsbereitschaft

ABER, ich erlebe so eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft. Einmal indirekt, weil ich bei Twitter und Facebook lese, wie viel Nachbarschaftshilfe auf die Beine gestellt wird. Menschen hängen Zettel auf und kaufen für Risikogruppen ein.

Direkt erleben wir es aber auch. Ich kann nicht mehr aufzählen, wer alles mindestens nach uns fragt, wie es uns gehe und wie viele Menschen uns Hilfe anbieten. Es ist nicht einmal „nur“ das engste Umfeld. Selbst Menschen, die ich „nur“ aus Social Media kenne, bieten an, für uns Einzukaufen, uns etwas zu schicken oder sonst irgendwie zu helfen.

Ein Miteinander

Mich haut es echt um. Neben den Tränen vor Sorge fliessen bei mir auch Tränen der Rührung. Es ist einfach so lieb. Wir werden dauernd gefragt, ob wir etwas brauchen. Ich bin als Diabetikerin Risikopatientin und aktuell eben alleine mit den Kindern, weshalb jetzt eine Erkrankung der Katastrophenfall wäre.

Für uns wurde eingekauft

Für uns wurde eingekauft

Der Diabetologe schickte ein Rezept per Post, die Apotheke hat heute geliefert. Außerdem wurden wir von einer wunderbaren Person sozusagen vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie rief an, sie habe für uns eingekauft, zählte auf und fragte, was noch fehle. Dann stellte sie uns (kontaktlos) die Tasche ins Haus. Danke, danke, danke, liebe D.! Vorher hatte schon eine andere Freundin mit mir überlegt, was sie Morgen für uns mit einkaufen könne. Sie kauft übrigens für 5 Haushalte ein.

Picknick im Wohnzimmer – endlich wieder Brot und auch auf die Bananen stürzt sich der Mittlere

Ich habe diese Woche schon mehrfach Angebote abgelehnt, dass jemand für uns einkauft. Wir haben Vorräte. Ein paar Dinge sind uns aus gegangen wie Brot, Joghurt und fast Obst. Aber damit sind wir nun wieder versorgt. Es wäre auch noch ein paar Tage gegangen.

Zusammenhalt

Das finde ich grad das Schöne an der Situation. Viele Menschen achten mehr aufeinander. Natürlich gibt es auch negative Berichte, wie Mitarbeiter in Läden oder das nun nötige Sicherheitspersonal angepöbelt werden. Aber eben auch eine Welle der Hilfsbereitschaft. So viele Menschen zeigen grade, wie sozial sie sind. Dass Nächstenliebe zählt.

Abstand halten – Live long & prosper

Auch die Reaktionen der LehrerInnen und überhaupt der allermeisten Mitmenschen zeigen grad, was für ein Zusammenhalt besteht und wie alle sich gegenseitig unterstützen. Das ist einfach eine richtig schöne Sache und wertvoll.

Unterstützung

Wegen der Schließungen muss auch unsere liebe Buchhändlerin ihren Laden schließen. Sie liefert nun gegen Bestellung per Telefon oder Email kontaktlos aus. Der Hilferuf, dass sie sonst die Zeit nicht überstehe, weil sie ihre Mitarbeiterinnen bezahlen muss, Miete und alles, wurde überall geteilt. Wir haben natürlich auch bestellt. Sie sagt auch, dass sie begeistert ist, wie das überall geteilt wurde, das Telefon stehe nicht still. Falls Ihr kleine Einzelhändler bei Euch habt, fragt mal nach, ob Ihr unterstützen könnt. Wenn man selbst grade nichts kaufen kann, kann man aber das Angebot mit Anderen teilen.

Bücher noch vor einer Woche vorsorglich bei unserer Buchhändlerin gekauft

Nähe durch Abstand

Uns allen fällt die soziale Isolation schwer. Das muss sie aber auch, das gehört dazu. Der Große hatte heute zwei seeeeehr lange Videoanrufe mit Freunden. Er selbst hat keinen kontaktiert, also habe ich nachgefragt. Ich hörte ihn dauernd laut kichern und lachen. Das tat ihm richtig gut.

Auch die Oma wird vermisst. Trotzdem ist es eben wichtig, dass wir die Kurve flach halten. Am meisten vermissen aber alle den Papa und die Stabilität durch die komplette Familie.

Wie sieht es bei Euch aus? Seid Ihr alleine oder habt schon Lagerkoller oder sind es bei Euch gefühlt Ferien?

*unbezahlte, unbeauftragte Werbung, Markennennung, Marken erkennbar

2 Gedanken zu „So viel Hilfsbereitschaft – Coronatagebuch“

  1. Hallo,
    das ist ein sehr schöner Blog von dir und spiegelt genau das wieder was ich auch erfahren habe.

    Diese Hilfsbereitschaft ist einfach klasse. Leider komme ich selber aus einer Gastrofamilie und man hat echt Angst vor dem was noch kommt. Da wir zu machen mussten, haben wir heute alle Lebensmittel kostenlos in der Nachbarschaft verteilt und hoffen so etwas helfen zu können.

    Ich bin jetzt seit knapp einer Woche zuhause und darf die Wohnung nicht verlassen. Nein, ich habe kein Corona, aber einen Grippalen Infekt der Atemwege und meine Ärztin will das ich vorsichtig bin.

    Der Lagerkoller bleibt zum Glück, dank Skype, noch aus.

    Morgen wird erstmal Geburtstag gefiert mit alle Freunden… Wir haben alle Skype auf die Laptops geladen und der Laptop wird an den TV angeschlossen. Das wird hoffentlich lustig und eine willkommen Ablenkung.

    Ich wünsch dir viel Glück das dein Mann bald wieder zurück kommen kann und natürlich viel Gesundheit.

    Alles Liebe
    Jenni

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