Fazit nach 3 Wochen Homeschool – Schulschließungen bei Corona

Irgendwie gewöhne ich mich langsam an die neue Realität. 3 Wochen lang haben weder die Kinder noch ich unser Grundstück verlassen. Wir haben den Komfort, dass unsere Wohnung groß ist und jeder ein eigenes Zimmer hat. Dazu kommt natürlich der Garten, in dem wir jeden Tag sind. Das tut einfach gut, dass grade Frühling wird.

Unterricht Zuhause fürs Grundschulkind

Unser Grundschüler hatte relativ wenig Schulsachen mitbekommen. An manchen Tagen hat er nichts gemacht, an anderen etwas mehr. Daher hat er sich seine Sachen komplett frei eingeteilt und etwas für die Schule gemacht, wenn er Lust hatte. Auch beim telefonischen Eltersprechtag wurde betont, wie schnell sein Arbeitstempo sei und dass es ihm alles so leicht falle. Zusätzlich zu den Arbeitsblättern macht er die Anton App und liest und beantwortet zu den Büchern die Fragen bei Antolin. Er geht gern zur Schule und lernt schnell. Natürlich lief es nicht komplett frustfrei. Da ihm eigentlich alles so leicht fällt, ist der Frust ziemlich groß, wenn es nicht direkt so klappt. Als Hilfe für die Multiplikation haben wir die Zählstäbe benutzt.

Multiplikation üben und veranschaulichen

Außerdem schreibt seine Klassenlehrerin so unheimlich liebe Mails an die Kinder, sowohl an alle Kinder als auch individuell, wenn die Kinder ihr mailen.

Digitale Schule am Gymnasium

Das Gymnasium ist technisch ganz anders aufgestellt. Sie besitzen und nutzen schon im normalen Alltag Lernplattformen: Moodle und iServ und in Informatik programmiert wird über Scratch. Die Schulleitung besteht aus zwei Informatikern und das Kollegium ist sehr jung und alle sind extrem engagiert. Sie sind da ungewöhnlich gut aufgestellt und investieren offensichtlich sehr viel Zeit und Mühe.

Am Computer arbeiten

Die Inhalte in den Hauptfächern waren aber eher Vertiefung und Wiederholung. Neuen Stoff gab es in den anderen Fächern. Mal waren es Arbeitsblätter oder Texte, manchmal aber auch Videos, die die Kinder anschuen sollten. Manchmal waren aber eben auch eigene Ideen und Recherchen gefragt, zum Beispiel zum Thema Taschengeld.

Guter Arbeitsumfang in der 5. Klasse

Es wurde angegeben, dass die Kinder etwa 3 Stunden (Zeitstunden) pro Tag Schulsachen machen sollten und zumindest beim Großen kam das ziemlich gut hin. Er hat auch seine Zeit selbst eingeteilt. Meistens saß er zwischen 9 und 10 am Computer. Grundsätzlich wären die Aufgaben auch an einem Handy oder Tablet machbar gewesen, am PC war es aber deutlich komfortabler. Nie hatte er das Gefühl, es nicht zu schaffen, sondern freute sich über die Häkchen neben den eingereichten Aufgaben.

Unterricht live bei YouTube

Guter Nebeneffekt

Neben dem Schulstoff sehe ich aber einen weiteren Effekt. Der Große ist noch deutlich fitter am PC geworden. Ein Dokument erstellen und mit sinnvollem Dateinamen versehen? Internetrecherche? Kein Problem mehr. Er tippt immer noch langsam, aber deutlich schneller als vor 3 Wochen. Das Drumherum kostet aber immer noch Zeit, was man wo hoch laden muss oder bei Fragen eine Email zu stellen.

Auch Emailkommunikation ist nun geübter. Bei Fragen wird schnell eine Email formuliert und die Lehrer antworten recht schnell. Auch am Gymnasium finde ich, dass die Lehrer sehr motivierend und herzlich schreiben.

Gitarrenunterricht des Mittleren über Zoom

Instrumentalunterricht

Unsere Kinder spielen Instrumente. Sowohl der Harfenunterricht des Großen als auch der Gitarrenunterricht des Mittleren sind nun digital also per Videoanruf. Das ist ungewohnt, funktioniert aber gut. Die Bratschenlehrerin des Großen schickt Videos an alle Kinder und die Kinder müssen ihr und dem Orchesterleiter Videos schicken. Wir haben einen Videoanruf mit ihr, um die Bratsche zu stimmen, dabei hat der Große auch kurz das Instrument angespielt (er spielt nun seit Februar und hat seit 3 Wochen nur das bisher Gelernte geübt). Von beiden gab es sehr positives Feedback. Er hat allerdings ziemlichen Ehrgeiz bzw. eine sehr hohe Erwartungshaltung an sich, wie das zu klingen hat, weil er es nach 3 Jahren Harfenunterricht so gewohnt ist.

Osterferien und dann?

Nun sind Osterferien. Der Große muss noch Mathe fertig machen, weil ihm das Passwort zu den Aufgaben fehlte, das es erst gestern gab (ich vermute, er hatte den Hinweis verpeilt). Ansonsten gilt in den Ferien, gern Lesen wie immer und ganz viel Spielen. Einzig das tägliche Üben der Instrumente bleibt bestehen.

Harfenunterricht per Videoanruf

Ich bin skeptisch, ob die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen oder öffnen sollten. Bei Corona müssen wir einen langen Atem haben. Sicher lernen die Kinder nicht den selben Schulstoff. Aber sie lernen so viele andere Dinge wie Medienkompetenz, mit dem PC umzugehen. Selbst der Mittlere kommuniziert nun per Email. Der Klassenlehrer des Großen hat angekündigt, dass der Arbeitsumfang nach den Ferien zunehmen wird. Vermutlich wird dann der Live-Unterricht per YouTube häufiger als 1x pro Woche.

Die Sozialkontakte fehlen

Inzwischen kommunizieren wirklich alle 3 Kinder mit ihren Freunden über Videoanrufe. Dafür nutzen sie diverse Apps, je nachdem, was ihre Freunde so haben. Der Kleine bekam Briefpost aus dem Kindergarten mit Kressesamen und freute sich riesig.

Trotzdem fehlen Freunde. Die Leichtigkeit im Alltag, in den Pausen und vor oder nach der Schule quatschen und sich zum Spielen zu treffen. Einige Kinder haben anders als meine strikte Medienzeiten, so dass Videotreffen nicht immer möglich sind. Wir sind ohnehin offen, was Mediennutzung betrifft, zur Zeit gibt es aber keinerlei Limits. Vieles regelt sich selbst, tagsüber spielen sie miteinander oder im Garten. Zum Lernen und zur Kommunikation dürfen sie Technik jederzeit nutzen. (Unsere 5 Gründe gegen Medienlimits).

Facetime statt Kindergeburtstag – der Patencousin hat Geburtstag

Uns fällt aber auf, dass seit einer Woche selbst der Mittlere Freunde vermisst. Immerhin sind sie zu dritt, sie haben immer Spielgefährten und spielen auch echt dauernd zusammen. Es gibt tolle Angebote und Ideen im Netz, wie man Kinder beschäftigen kann, wir nutzen bisher nichts davon. Sie beklagen sich eher, dass die Tage zu kurz sind. Auch Bettgehzeiten sind aufgehoben, wir leben im Biorhythmus.

Die Perspektive

Wie es langfristig ist, weiß ich nicht. Außerdem fehlt Chancengleichzeit bei längerer Schulschließung. Nicht alle Eltern und Kinder haben die Möglichkeiten, die wir haben. Sowohl, was das Schulische betrifft als auch die Beschäftigungsmöglichkeiten. Wir können unsere Stunden im Garten toben lassen. (Was nun endlich wieder geht, der Große hatte sich den Fuß bei der Sportaufgabe verletzt). Aber als Dauerzustand? Als Infektionsherde macht es mir aber Sorgen, die Schulen schnell wieder zu öffnen und eigentlich glaube ich nicht daran. Gleichzeitig ist mir aber klar, dass manche Kinder in prekären Situationen leben und da auch Öffentlichkeit und Hilfe fehlt. Einfache Lösungen gibt es nicht.

Mein Fazit zur Schule Zuhause mit eLearning ist aber positiv. Den Kindern macht es Spaß, sie lernen gern und freiwillig und die befürchteten Dramen fielen hier weg. Da sie zu dritt sind, haben sie automatisch auch in der Freizeit jemanden zum Spielen (und natürlich auch Streiten).

Selbstgebackenes Pita Brot und zwei Sorten Couscous mit zwei Dipps

Positiv am Zuhause bleiben fällt mir auch auf, dass wir aufwändiger Kochen und noch mehr darauf achten, dass sie viel Obst essen. Wir leben gesünder (und leckerer).

Wie sieht es bei Euch aus? Wie habt Ihr die letzten 3 Wochen erlebt? Denkt Ihr die Schulen öffnen nach den Ferien wieder?

*unbezahlte, unbeauftragte Werbung, Markennennung, Marken erkennbar, alles selbst gekauft

8 Gedanken zu „Fazit nach 3 Wochen Homeschool – Schulschließungen bei Corona“

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