Gute Tage – schlechtere Tage (Leben in der Coronazeit)

Leben ist aktuell ein Leben im Ausnahmezustand, der zum Normalzustand wurde. Denn irgendwie ist die gewohnte Routine sehr weit weg. Unser Leben spielt sich hauptsächlich Zuhause ab. 1-2x pro Woche gehen wir in den Wald oder machen eine Radtour. Die Kinder haben Homeschool und der Hausherr geht einmal pro Woche einkaufen (plus, wenn nötig, zur Post oder auch mal Eis holen). Unser Leben verläuft nach dem Biorhythmus.

Alles gut oder alles schlecht?

Mich zermürbt grad einiges. Der Tonfall auf Social Media ist extrem aggressiv geworden, etwa jedes Thema eskaliert komplett. Das Leben oder die Wahrnehmung dessen scheint sämtliche Nuancierungen verloren zu haben. Offenbar ist alles entweder Schwarz oder Weiß. Es gibt keine Grautöne mehr. Dass für uns Homeschool kein Stressfaktor ist und dass die Kinder keine besondere Belastung sind, wird zu „schön für Euch, dass Euch Corona gar nicht trifft!“ gemacht. Doch, Corona trifft uns wirtschaftlich massiv. Eigentlich wäre der Hausherr nämlich fast nie hier. Auftrag ist „verschoben“ (= weg). Uns ist das Einkommen richtig weggebrochen. Das wäre ohne Kinder aber exakt dieselbe Situation.

Post aus dem Kindergarten während der Schließung

Schlechte Tage

Wie vermutlich bei allen, ist unser Leben nicht rosarot. Es kommt immer auch auf die Tagesform an, bei uns allen. Die Coronakrise ist eine Belastung. Wir wissen nicht, wie es weiter geht und ewig wird das Geld nicht reichen. Das ist richtig Mist.

Mir fällt an mir auf, dass mir einfach die Highlights fehlen. Dinge, auf die man sich freut. Aktuell weiß man nie, was stattfindet. Unser Sommerurlaub in Zoutelande? Wir hoffen noch, aber inwieweit in Zeeland die Übernachtungen erlaubt sind, ist nicht absehbar. Ich hatte mich so sehr auf die Blogfamilia gefreut -> „verschoben“ auf September. Ob sie dann stattfindet? Montag war die Blogfamilia 2019 genau ein Jahr her und meine Stimmung auf dem Nullpunkt. Wie anders ist das Leben jetzt und wie surreal fühlt sich 2019 an mit all der Leichtigkeit und sozialen Kontakten?

Ohne Unterricht führt auch das Üben öfter zu Frust – Harfe hat er Videounterricht, Bratsche entfällt bisher

Auch die Kinder haben mal gute und mal schlechte Tage. Montag war auch beim Großen der Wurm drin. Er hat sicher 3 Stunden an den Englischaufgaben gesessen. Grammatik immer wieder falsch und englischer Wortsalat. Er hat es geschafft, das Wort „chocolate“ aus der Aufgabenstellung im Text 8x falsch zu schreiben in drei verschiedenen falschen Varianten. Irgendwann habe ich es abgebrochen und ihn in den Garten geschickt. Dienstag Morgen hatte er die Aufgabe in weniger als 10 Minuten fertig, nur mit drei fehlenden Apostrophen und Kommata. Grammtik richtig. Rechtschreibung richtig.

Das Positive sehen

Mein Gefühl ist aber, dass sich alles aufs Negative konzentriert. Findet man etwas gut oder nicht schwer, will es entweder kaum jemand lesen oder hören oder es wird unterstellt, man lüge. Ich weiß, dass viele Familien sich am Limit fühlen. Trotzdem gilt das nicht für alle und die momentane Zeit hat eben auch ihr Gutes. Wir haben so viel Flexibilität und Freiheit. Auch verbringen wir viel mehr Zeit zusammen als Familie. Unseren Kindern geht es gut, sie haben sich und wir haben eine ziemlich privilegierte Wohnsituation. So sitze ich auch jetzt grade alleine in meinem Zimmer.

Mein Zimmer – mein Rückzugsgebiet

Es gibt viele gute Tage. Eigentlich sind für uns die meisten Tage gut. Jede darf auch mal jammern. Aber mir ist das momentan zuviel. Wenn man nicht darüber klagt, dass die Kinder nicht in Betreuung sind, sondern Zuhause, ist das grade nicht gewünscht. Eltern sind verschieden, Familien und ihre Belastungen sind verschieden. Aber eben auch die subjektive Wahrnehmung einer Situation.

Wir machen das Beste draus – Erinnerungen

Wir haben uns gestern darüber unterhalten, was wir hoffen, welche Erinnerungen die Kinder mit nehmen. Größte Hoffnung ist natürlich, dass sie weder Krankheit noch Tod direkt miterleben müssen. Aber wir hoffen auch, dass dem Großen in Erinnerung bleibt, dass er lange schlafen konnte, viel Zeit zum Spielen hatte und mit mir die Star Wars Filme gucken durfte. Wir beiden machen grade immer Filmabende zu zweit auf seinem Sofa. Dass der Mittlere sich erinnert, wie er Morgens ausschlief und dann immer Zeit mit Papa zum im Bett kuscheln hatte. Dass der Kleine sich an ganz viel Spielzeit mit seinen Brüdern erinnert.

Im Garten spielen

Wir verbringen Familienzeit, grillen Marshmallows, laufen durch Wälder auf der Suche nach Feen und machen Spieleabende. Generell entschleunigen wir wie in Ferien, nur, dass die Kinder Homeschool haben. Unsere Kinder erleben wieder, dass ihre Meinung zählt, dass wir nicht über sie hinweg entscheiden. So hat sich der Mittlere entschieden, dass ihm das Risiko zu hoch ist und er weiter Homeschool macht und nicht in den Präsenzunterricht geht. Der Großen hingegen hat überlegt und möchte ab Mittwoch zu den drei Präsenztagen bis zu den Ferien gehen. In NRW öffnen die KiTas im Juni wohl wieder und der Kleine tendiert dazu, gehen zu wollen.

Die Geschwister spielen ganz viel miteinander

Nichts ist perfekt

Perfekt oder total leicht ist es aber trotzdem alles nicht. Ich nehme auch wahr, wie andere ganz stark unter Druck stehen oder nicht mehr können. Da ist natürlich Unterstützung nötig. Aber ich muss eben nicht bei allen Aktion absolut dahinter stehen. Das macht die Aktionen nicht weniger relevant.

Trotzdem fehlt mir teilweise, dass eben der Blickwinkel auch mal auf das Positive geht. Dass nicht „alle“ Belastung durch Kinder empfinden oder dass Eltern sich auf keinen Fall jetzt mehr Kinder wünschen oder Menschen wegen (!) dieser Krise keine Kinder mehr bekommen. (Ich hätte nichts gegen ein viertes Kind, aber möchte nie wieder schwanger sein nach der Fehlgeburt). Auch sind die Maßnahmen in Deutschland im Vergleich immer noch sehr entspannt und wenig rigoros. Natürlich darf man sich immer auch beklagen und Missstände aufzeigen. Aber ich finde es immer wichtig, dass man auch seine Privilegien sieht und Positives wahr nimmt.

Bewegungsaufgabe in der Homeschool

Insgesamt überwiegen für mich nämlich die guten Tage deutlich. Ab und zu gibt einen miesen Tag, aber das geht mir im sonstigen Alltag auch so, dass einfach mal alles nervt.

Eine ganz normale Mama hat übrigens auch die „Guten Seiten des Lockdowns“ verbloggt. Meinen Beitrag „Zuckersüße Marshmallows – das Schöne an der Coronazeit“ empfehle ich dazu auch 😉

Ebenfalls findet Ihr einen Beitrag zum Thema, dass nicht alles nur schlecht ist bei meiner liebsten Mama steht Kopf!

Wie ergeht es Euch? Alles blöd oder auch schöne Dinge im Wechsel?

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