Elternrolle zur Coronazeit – wie ist die Aufteilung vorher/nachher

Einige lesen bei mir schon länger mit und haben im März mitgefiebert, wie der Mann alias bizzidad in Mexiko beruflich fest saß, während hier schon die Schulen schlossen. Unsere Aufteilung in der Kinderbetreuung wirkt nach Aussen schnell „klassisch“. Das alte Rollenbild ist immer noch verbreitet, dass die Mutter für die Kinder zuständig sei und der Mann arbeiten gehe. Auf den ersten Blick scheint das bei uns auch so. Aber es ist keine Rollenverteilung, die wir übernommen haben und ist doch ein bißchen komplexer.

Kinderbetreuung im normalen Alltag

Im normalen Alltag ist der Mann oft beruflich weg, sowohl tagsüber als auch wirklich über Tage oder Wochen. Ich arbeite (meistens) von Zuhause. Wenn ich weg bin, ist er hier oder die Oma springt ein. Das funktioniert meistens prima, wie als ich im Februar in für die Firma in London war. Aber manchmal bringt es Probleme, wie im September, als genau zur Kind + Jugend Messe an meinem vollsten Tag bei ihm ein wichtiger Dreh kam. Dazu kam (natürlich) dann ein krankes Kind, so dass die Oma-Betreuung auch ausfiel. Ich musste meine Termine absagen oder verschieben.

Das ist aber keine vorgegebene Arbeitsaufteilung, sondern so gewollt. Ich habe immer gearbeitet, aber nach der Geburt des Großen das Studium abgebrochen. Denn trotz Teilzeitarbeit des Manns, von der wir da eben lebten, war es zeitlich katastrophal. Mein eigener Arbeitsvertrag wurde nach Geburt nicht verlängert.

Ich bin gerne als Mama Zuhause

Ich wollte immer Kinder und sie nie U2 in Betreuung geben. Einen Betreuungsplatz U3 haben wir nicht bekommen, das war aber auch nur beim Großen Thema. Es ist meine Entscheidung, dass ich hauptsächlich für die Kinderbetreuung zuständig bin und ich bin das gerne. Mir macht es Freude und es ist mir wichtig. Ich arbeite gern, habe aber nie Karriereambitionen gehabt.

Manche nennen es fehlende Emanzipation und „sich abhängig machen“. Ich bin ich und fühle mich nicht abhängig. Ich halte es für mein Recht bzw. für unser Recht, unser Leben als Familie so zu gestalten, dass es für uns aktuell passt. So, wie ich mich bei anderen Familien nicht einmische, wenn beide 50% (oder mehr) arbeiten oder wie bei einer Freundin der Mann die ersten Jahre Zuhause blieb und sie Vollzeit arbeiten ging. Genauso möchte ich das Recht haben, Zuhause zu arbeiten.

Mein Alltag ist Familien-Managerin zu sein

Umständebedingte Aufteilung

Der Hausherr war nie „nicht involviert“. Im Gegenteil. Sofern anwesend, ist er Morgens früh zuständig und bringt den Kleinen in den KiGa. Ich bin nämlich absolut kein Morgenmensch. Genauso ist er derjenige, der Nachts aufsteht, wenn ein Kind uns braucht und Nachts die Flasche gab. Ist er anwesend, ist er für die Kinder genauso verantwortlich wie ich. Er spielt und liest geduldig vor, hat sicher mindestens soviele Windeln gewechselt wie ich und Fläschchen gegeben.

Teilweise ist er aber eben einfach nicht da, auch mal 3-4 Wochen am Stück oder, was mich fast mehr stört, ganz kurzfristig einige Tage.

Mental Load

Was mir aber doch immer auffiel, Mental Load ist eher mein Ding. Ich koordiniere Termine, denke an alles, was die Kinder betrifft. Die Termine beim Kinderarzt mache ich aus, ich treffe ihre Verabredungen, ich gucke, was wann zu tun ist, was sie brauchen. Nicht, weil es den Mann nicht interessiert, sondern, weil er eben deutlich seltener da ist und es nicht vor Augen hat.

Wenn wir in den Urlaub fahren, packe ich für 4 Personen plus was wir gemeinsam brauchen. Ich habe Daten im Kopf und versuche, für alle da zu sein und Bedürfnisse zu bemerken. Das zieht sich einfach durch den Alltag.

Auch im Urlaub koche ich – aber freiwillig und gern!

Und dann kam Corona

Nach dem Drama mit dem Rückflug, was mir echt zugesetzt hat, war dann der Mann Zuhause. Hier stellte er fest, was Corona wirklich für Auswirkungen auf unser Leben hatte. Die Kinder waren Zuhause. Immer. Genauso wie bei ihm Jobs wegfielen und er ebenfalls viel Zuhause war. Finanziell war und ist für uns Corona eine Katastrophe. Als Familie aber auch einfach mal schön.

Mehr Arbeitsteilung

Ich glaube, Anfangs ging es eher darum, dass er mich entlastet, nachdem ich wochenlang alleine gewesen war. Denn ich war abgemagert und einfach nur fertig. Es war nicht mal eine bewusste Entscheidung, Arbeit besser aufzuteilen, es wurde oft durch die Bedingungen so geschaffen.

Als Diabetikerin bin ich Risikopatientin. Daher hat er das Einkaufen komplett übernommen. Anfangs war er stundenlang weg, inzwischen braucht er nicht mehr ewig für einen Wocheneinkauf. Morgens darf ich länger schlafen und er bespaßt die Kinder, die schon wach sind. Außerdem macht er mehr im Haushalt, vermutlich einfach alleine daher, weil er mehr Zuhause ist. Aktuell würde ich behaupten, dass Haushaltsaufgaben so 60:40 aufgeteilt sind.

Buntes Leben mit Homeschool

Wir übernehmen die Aufgaben, die uns liegen

Das große Thema unter Eltern war dieses Jahr die Homeschool. Die habe ich zu 99% übernommen. Einfach aus dem Prinzip, dass ich es studiert habe und Unterrichtserfahrung habe. Allerdings muss ich da zugeben, bei uns war das wenig Elternarbeit, da die Schulen und LehrerInnen absolut überlegte und gut konzipierte Aufgaben gestellt haben. Ich habe kaum Hilfestellung leisten müssen und wenn mit Freude.

Der Hausherr hat mehr Zeit mit den Kindern verbracht, weil sie zusammen spielten und er versucht hat, sich täglich die Zeit zu nehmen, mit ihnen auch draussen aktiv mit Bewegung zu spielen. Außerdem hat er das Obst übernommen: er presst jeden Tag Orangen aus und schneidet Obst. Frühstück macht er, sonst koche ich, weil ich gern koche (daher auch immer Urlaub in Ferienhäusern: ich will kochen). Putzen, Staubsaugen und Wäsche sind aber irgendwie meine Aufgabe geblieben. Er räumt die Spülmaschine aus oder hängt Wäsche ab und (und sortiert sie falsch zu). Aber er räumt auch die Küche auf, wenn ich Essen gekocht habe.

Vorlesen macht sonst meistens der Papa

Abstimmung und Arbeitszeiten

Der Hausherr ist selbständig und ich arbeite in der Firma. Ich bin es gewohnt, konzentriert zu arbeiten, wenn die Kinder Zuhause sind. Für ihn ist es ungewohnt. Dennoch haben wir einen Weg gefunden, dass im Normalfall einer von uns ansprechbar ist. Also keine wichtigen Telefonate oder Arbeit gleichzeitig. Denn auch, wenn die Aufträge weg sind, wenig zu tun haben wir nicht.

Was nehmen wir aus der Zeit mit?

Ich denke zwar, dass dem Mann noch bewusster wurde, was ich hier eigentlich den ganzen Tag mache zwischen Arbeit, Kindern und Haushalt. Aber es sind doch andere Zeiten, die Kinder waren mehr Zuhause als normal, es fielen ziemlich alle Termine, Treffen und Hobbys weg.

Nur werden wir nicht alles beibehalten können. Denn sein Beruf ist eben so, dass er oft für Drehs auch mal länger weg ist. In der Zeit bin ich mit den Kindern alleine. Wenn er im normalen Alltag von 9-19 Uhr (mindestens) unterwegs ist, kann er allein zeitlich nicht alles machen, ins Bett bringen und vorlesen war immer schon seine Zeit mit den Kindern. Das ist für mich auch okay, wichtig ist mir nur, dass es auch Zeiten gibt, wo ich „raus“ bin, also etwas wie London, Termine, Events oder nach Berlin. Ich wünsche mir aber gesellschaftlich mehr Anerkennung, was ich leiste. Für viele Menschen ist „Arbeit“ nur das, was man ausser Haus gegen Geld leistet. Dass ich zu 24/7 als Mama noch zusätzlich arbeite und ganz viele Eltern, besonders Mütter, einen Vollzeitjob PLUS Familie managen, wird oft nicht gesehen. Ich wünsche mir, dass die Arbeit von Eltern auch finanziell gewürdigt wird und dass Familien Steuerentlastungen bekommen. In einer idealen Welt würde auch unser Schulkonzept überdacht, weg von Anwesenheitspflicht, stattdessen eine Mischung aus Präsenz- und Fernlernen mit guten Angeboten in Kleingruppen.

Familienzeit im Garten

Hier Zuhause hoffe ich aber, dass die Coronakrise doch noch mehr gezeigt hat, was der Elternjob beinhaltet und dass wir zwar zeitlich nicht alles 50/50 teilen können und Mental Load als (fast immer) anwesendes Elternteil eben bei mir liegt, er dennoch das auch bewusster wahr nimmt.

Hat sich Eure Arbeitsteilung während Corona verändert?

*unbezahlte, unbeauftragte Werbung, Markennennung, Marken erkennbar

2 Gedanken zu „Elternrolle zur Coronazeit – wie ist die Aufteilung vorher/nachher“

  1. Bei uns hat sich nichts geändert. Mein Mann war weiterhin 12 Std außer Haus und ich Zuhause (war freigestellt).
    Dein Artikel gefällt mir sehr 🙂

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