Ich finde diesen Familienurlaub keine Erholung

Wer mir bei Instagram oder im Blog folgt, hat vermutlich schon gesehen, dass wir im Urlaub sind. Wir sind in Zoutelande in der Niederlande, trotz Corona. Hier sind wir seit 2015 jeden Sommer. Ganz unspektakulär im selben Haus. Das ist zwar recht klein, aber super gelegen und für hier noch ziemlich bezahlbar. Gebucht haben wir ohnehin schon im Sommer 2019 für jetzt. Bezahlt ist das Haus auch schon lange. Sonst wären wir aufgrund der finanziellen Lage wegen Corona eher nicht in den Urlaub gefahren. Im Urlaub erwartet man irgendwie Erholung.

Ich bin nicht entspannt

Dieses Haus hat zwar den Vorteil, dass wir es kennen, entsprechend genau wissen, was uns erwartet. Außerdem können wir genau die Sachen mitbringen, die wir noch brauchen. Wir kennen uns aus, daher ist es immer sehr schnell wie „immer“, es gibt kein Eingewöhnen, sondern es geht direkt in die Erholung.

Erholung am Meer
Vertrauter Urlaub

Meine Grundstimmung ist aber einfach nicht entspannt. Grundsätzlich gibt es in meinem Leben immer eine unterschwellige Belastung durch den Diabetes. Der Diabetes ist immer da. Dieses „Grundrauschen“ ist immer da, das ist Normalität. Trotzdem ist es etwas, das immer Gedankenkapazität ein nimmt. Immer achte ich auf meinen Blutzucker, gucke auf den Sensor, justiere Werte und muss immer, wenn ich das Haus verlasse, an etwas denken. Manchmal spielt der Blutzucker verrückt (besonders bei Stress) und Sensoralarm weckt mich stündlich. Gleichzeitig ist es Luxus, dass es den Sensor und die Insulinpumpe überhaupt gibt. Es könnte also noch deutlich anstrengender sein.

Erholung ist mit DIabetes so eine Sache
Horrorblutzucker letzte Nacht – Adrenalin ist Antagonist zu Insulin

Und dann kam Corona

An kaum jemandem geht Corona bzw. die Folgen der Coronakrise vorbei. Eltern jonglieren mit Job und ausfallender Kinderbetreuung, oben drauf kam noch die Homeschool. Die Schule Zuhause mit eLearning lief bei uns ziemlich entspannt, weil die Schulen bzw. LehrerInnen sehr gutes Material zur Verfügung gestellt haben. Dennoch war es natürlich eine massive Abweichung vom Alltag.

Uns hat aber Corona hauptsächlich wirtschaftlich richtig getroffen. Der bizzidad steckte erst in Mexiko fest, danach waren alle geplanten Aufträge coronabedingt erledigt. Als er zurück war, bin ich erst mal krank geworden. Ich war fertig mit der Welt.

Kaffeejunkie bin ich immer

Irgendwann öffneten KiGa und Schulen teilweise weniger. Das beruhigt mich aber nicht wirklich. Denn ich bin und bleibe Risikopatientin. Covid-19 ist unkalkulierbar. Mich stresst jetzt schon, dass unsere unsägliche Landesregierung normale Schulöffnung nach den Ferien plant. In 2,5 Wochen. Auf die Idee, die Zeit seit März in neue, flexible Konzepte zu investieren, kam wohl keiner.

Und dann Urlaub – Familienzeit

Eigentlich ist der Sommerurlaub so wunderbar. Endlich haben wir dann Zeit zu fünft, ohne Schule, viel Arbeit und Kindergarten. Selbständig wird natürlich auch im Urlaub gearbeitet, aber weniger. Priorität hat die Familie. Dann haben wir endlich mal uns. Jedes Jahr freue ich mich darauf und genieße es.

2020 haben „wir uns“ seit Ende März aber durchgehend. Die Kinder sind fast immer da. Alle 3. Der bizzidad ist viel Zuhause. Corona brachte uns zwar besser Aufgabenteilung, einfach daher, weil er mehr anwesend ist. Aber Ruhe und alleine sein gabs nie. Jetzt haben wir unser großes Zuhause mit Rückzugsgebieten für alle gegen ungefähr die halbe Fläche und drei Zimmer (inklusive Wohnküche) getauscht. Nein, ich erhole mich nicht. Obwohl der bizzidad definitiv hier mehr mit den Kindern macht als ich und mich ausschlafen lässt. Essen ist wie immer meine Aufgabe, aber ich koche gern.

Am Strand

Erholung am Meer?

Ich will nicht nur jammern. Natürlich erleben wir hier auch schöne Dinge. Wir sind am Strand, am Meer, machen Radtouren und genießen Terrasse und Sonne. Aber wir hängen eben dicht aufeinander. Dazu verbringen wir den Urlaub natürlich anders als sonst. Wieder wegen Corona. Wir bleiben unter uns, wir meiden viele Menschen, gehen selten einkaufen und Shoppingbummel entfallen. Nur einmal waren wir im wunderschönen Middelburg für etwa eine Stunde gezielt in bestimmte Läden. Sonntag in Domburg sind wir nicht mal aus dem Auto ausgestiegen, weil es zu voll war.

Für mich sind Radtouren Entspannung und Erholung - meistens jedenfalls, mit Kindern schwer kalkulierbar
Radtouren – manche sind entspannt, andere anstrengend mit meckerndem 4-Jährigen

Daher werden es viele als auf hohem Niveau jammern sehen. Wir sind in einem Ferienhaus am Meer. Weil der Urlaub aber schon bezahlt und unstornierbar war, war nicht fahren keine so gute Option. Natürlich finde ich das Meer und den Strand wunderbar. Aber Entspannung ist es nicht. Jedenfalls nicht wie sonst.

Das Reisen mit Kindern – immer ist etwas

Wie alle Eltern kommen wir wenig zur Ruhe. Die Kinder sind zu jung. Sie sind laut, sie streiten und natürlich wollen (und bekommen) sie Aufmerksamkeit. Dann passieren solche Dinge, wie dass der Kleine einige Stufen der Treppe herunter fiel. Auf den Kopf. Die Nacht schlief der Papa sicherheitshalber bei ihm. Der Große war bei mir im Bett, der Mittlere schlief im Zelt. Für die Kinder ein Abenteuer.

Letzte Nacht kam der Mittlere um 1 weinend runter, er habe solche Bauchkrämpfe. Gegen 3 waren wir dann alle wieder im Bett bzw. der Mittlere lag auf dem Sofa und der Papa daneben. Der Stress hat meinen Blutzucker explodieren lassen, die restliche Nacht weckte mich jede Stunde der Alarm meiner Insulinpumpe. Erholung? 0.

Heute Morgen gings ihm gut

Heute gehts dem Mittleren bisher gut. Morgens hat er noch vorsichtig gegessen, irgendwann bestellte er Poffertjes und Eis essen war er eben auch und tobte am Strand rum. Wir tippen, dass er die vegetarischen Bratwürstchen nicht gut vertragen hat.

Normalerweise reise ich gern, sogar alleine, mit den Kindern. Da es eben eine besondere und intensive Zeit ist. Raus aus einem normalen Alltag. Den gibts aber seit März nicht mehr und auch absehbar nicht mehr.

Wechselnde Schlafplätze – immer ist etwas

Der Traum von einer Auszeit mit Erholung

Ja, im Moment wäre mein größter Wunsch (neben Gesundheit etc.), also mein Luxuswunsch, alleine zu sein. Ganz alleine. Ohne Familie, ohne Verantwortung für andere Menschen. Schlafen und meine Ruhe. Schlafen, Lesen und nur für mich sein. Wenn alles klappt und nicht wieder Corona mir einen Strich durch die Rechnung macht (wie mit der Blogfamilia im Mai) bin ich im September mit der lieben Alex von MamastehtKopf ein Wochenende weg wie im Februar in London.

Positiv und ein Moment Erholung: ich habe nun auch ein Chamäleon. Es heißt Cami!

Manche werden es verstehen, andere werden unterstellen, ich liebe meine Familie nicht. Ich bin immer noch Ich. Neben dem Ehefrau und Mama sein, bin ich auch ein Mensch mit Bedürfnissen. Und dazu gehören manchmal eben auch Auszeiten.

Geht Euch das auch so mit der Erholung oder ist jeder Urlaub das Highlight mit der Familie, auch zur Coronazeit?

*unbezahlte, unbeauftragte Werbung, Markennennung, Marken erkennbar, Verlinkung, Urlaub und alles abgebildete ist selbst gekauft und selbst bezahlt

9 Gedanken zu „Ich finde diesen Familienurlaub keine Erholung“

  1. Oh, das mit dem seit Mitte März haben verstehe ich total. Ist hier auch so. Bis auf die zwei Wochen Schul- und Tagesmutterunterbrechung habe ich die Kinder jeden Tag für ca. 10 Stunden für mich. Ich liebe meine Kinder, versteht mich nicht falsch. Aber ich habe nie auch nur eine Minute mal für mich. Dank Corona ist weggehen und Freunde treffen so gut wie unmöglich. Es ist anstrengend. Wirklich anstrengend. Dazu die Schwangerschaft, die auch eine Menge Kraft kostet. Aber vor nächstem Jahr wird sich daran wahrscheinlich nichts ändern. Corona sei Dank.

    1. Genau das meine ich. Dass man nie allein ist, man ist absolut immer zusammen. Das ist auch schön, aber gleichzeitig anstrengend. Aber wie du, es gibt kein Freunde treffen, weggehen oder wegfahren. Ganz viele Dinge fallen ersatzlos aus. Verständlich, aber dennoch zermürbend. Außerdem befolgen hier immer weniger Leute Maßnahmen, so dass wir uns noch mehr einschränken, da wir keine Risiken eingehen. Dir noch alles Gute für die Schwangerschaft!

  2. Ich kann dich sehr verstehen.
    Und damit meine ich nicht deine gesundheitlichen Probleme, sondern dass der Urlaub diesmal ein ganz anderer ist als sonst.
    Verzehrt man sich sonst nach Familienzeit, hatte man diese zur genüge.
    Natürlich liebt man seine Familie, ist glücklich über den Urlaub, aber es ist auch nicht so entspannt.

    Ich hoffe sehr, dass wir in knapp zwei Wochen los können. Ich habe auch Angst, denn ich war lange Zeit freigestellt von der Arbeit (ich gehöre auch zur Risiko Gruppe, arbeite aber wieder ganz normal in einer Kita Gruppe) und ich war mit meinen Kindern nur Zuhause. Das große Kind kam gar nicht raus…Uni geschlossen und bei aller Liebe, wir gehen uns auch auf die Nerven und die Kinder streiten viel.
    Wir würden nur zu dritt reisen und wir können offen drüber reden, dass dieser Abstand gut tut.
    Und dann freuen wir uns aufs Wiedersehen.
    Mit kleinen Kindern geht das nicht.

    Ich würde allerdings auch problemlos alleine reisen wollen / können. Das wünschen sich bestimmt gerade viele Mütter / Väter.

    LG

    1. Danke für Deinen Kommentar! Genau das meine ich. Es geht nicht um Liebe, sondern um eigene Bedürfnisse. Leider wird das schnell verdreht, wenn man es als Mutter wagt, auch mal für sich sein zu wollen und es nicht zu genießen, seit März immer zusammen zu sein. Normalerweise ist Urlaub eben deshalb das Highlight, weil man immer zusammen ist. Das Meer ist natürlich toll und zum Beispiel die Fahrradtour vorgestern war richtig schön. Aber hier halten sich zusätzlich immer weniger Leute an Maßnahmen, so dass wir uns jetzt noch mehr einschränken als wir ohnehin geplant hatten. Wenn die Schule in 2,5 Wochen wirklich regulär wieder los geht, werde ich aber vermutlich Sehnsucht nach Urlaub und Meer haben und keine Verpflichtungen, Risiken einzugehen. Ich habe grade gelesen, dass in einer KiTa in Solingen Corona ausgebrochen sein soll. Auch die Entscheidungen zermürben, ob die Kinder in die Schule gehen. Ihre Bedürfnisse und Wünsche zählen. Liebe Grüße und ich drücke die Daumen für Euren Urlaub!

  3. Mir fehlen die Vormittage etwas. Diese Vormittage, wo ich für ein paar Stunden alleine war. Ich war deutlich produktiver im Haushalt und am Computer. Die Ruhe ist einfach nicht da. So ist immer gewusel um einen herum… vieles bleibt liegen. Also doch, ja, ich verstehe ich. Nur, dass ich nicht gerne alleine wegfahre 🙂 Aber das ist jedem selbst überlassen.

    Und diese Chamäleon sind ja wohl mal absolut süß <3

    1. Wir sind alle im totalen Chamäleonfieber 😉 Mir fehlen die Vormittage, wie Du bin ich produktiver. Aber mir fehlt auch Weggehen, Freundinnen treffen und mal keine Verantwortung zu haben. Corona zermürbt und der Zustand wird anhalten. Ich finde die Maßnahmen sinnvoll, mir macht eher Stress, wieviele Maßnahmen weg fallen. Aber trotzdem ist eben alles anders und anstrengender.

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