Schulstart 2020 – Schule zu Coronazeiten mit Maskenpflicht

Werbung ohne Auftrag* Wir leben in NRW. Daher hat für unsere Kinder die Schule gestern wieder begonnen. Die Landesregierung besteht zum Schulstart auf Regelbetrieb mit Schulpflicht in vollem Klassenumfang. Wie ich mir Schule wünschen würde, nicht nur jetzt wegen Corona, sondern überhaupt, habe ich letzte Woche ausführlich geschrieben.

Schulstart mit Maske

Jetzt haben die Kinder also wieder „normal“ Schule. Der Mittlere ist Grundschulkind in der 3. Klasse und bei ihm gilt Mundschutz überall, außer am Sitzplatz. Der Große geht in die 6. Klasse und bei ihnen herrscht überall durchgehend Maskenpflicht.

Auf Social Media ist das Geheule groß. Da lese ich von „traumatisierten Kindern“, „Kindesmisshandlung“ und „Körperverletzung“. Die ersten Klagen gegen die Mundschutzpflicht ab Klasse 5 laufen.

Hier hat die Oma im letzten halben Jahr diverse Stoffmasken genäht. Maskenformen, -befestigung und Designs wurden optimiert. Die Kinder suchen Stoffe aus und jeder hat seine eigenen Masken.

Viele neue Regeln

Die Regeln der Schulen unterscheiden sich. Ich finde, dass das Gymnasium des Großen die Regeln wieder sehr gut umsetzt und auch sämtliche Eventualitäten klar geregelt hat. Ich finde die Maskenpflicht sinnvoll. Lieber wäre mir natürlich Hybridunterricht in Kleingruppen. Politisch sind aber sehr strikte Vorgaben gemacht worden, was die Schulen umsetzen müssen. So gibt es leider nun auch nicht mehr die Möglichkeit, sollten die Infektionszahlen weiter so steigen, dass wir die Kinder wegen meines Diabetes beurlauben. Ich befürchte, wir brauchen bald einen Anwalt.

Seltsam finde ich die Regeln für die Grundschule. Im Gebäude und vor allem auch draussen auf dem Schulhof besteht Maskenpflicht. Draussen? Aber im Unterricht auf den Sitzplätzen, wenn 26 Kinder in einem kleinen Raum sind, nicht??

Generell scheinen Schulen die Regeln sehr unterschiedlich zu interpretieren, bei Twitter lese ich von Schulen, in denen die Kinder nicht einmal etwas trinken dürfen.

Los geht’s mit Maske in der Hand

„Die armen Kinder“

Meine Kinder fühlen sich nicht „arm“. Die Großen verfolgen seit langer Zeit Kindernachrichten bei Logo und sind auch über Corona gut informiert. Sie finden die Maskenpflicht übrigens auch gut. Weil sie andere Menschen schützen möchten. Kaum ein Kind möchte Familie, Freunde oder Lehrkräfte infizieren.

Beide Kinder freuten sich riesig auf die Schule. Sie nehmen die Maßnahmen nicht als große Einschränkung wahr, weil sie den Sinn der Restriktionen verstehen. Schule macht ihnen Spaß, aber sie möchten weder sich noch andere Menschen gefährden. Sie genießen es jetzt, dass sie alle ihre Freunde wieder sehen. Gestern Abend war der Große lang wach, er sei aufgeregt, weil er sich so auf heute, den 2. Schultag, freue.

Maskenpflicht zum Schulstart

Das Geschrei unter Eltern war groß. Ich verstehe es nicht, was an einer Maske „traumatisch“ sein soll. Aus eigener, sehr schlimmer Erfahrung kann ich aber mal verraten, was für Kinder schlimm und traumatisch ist: wenn eine Lehrkraft stirbt. Das hat der Große 2017 erleben müssen. Das Thema hat uns lange begleitet.

Sicher, Masken sind auf Dauer nicht sehr angenehm, sie sind unbequem und warm. Das sehe ich auch so. Aber sie verringern die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung, je nach Untersuchung, leicht bis deutlich. Die Infektionszahlen steigen aktuell massiv. Ich habe das Gefühl, viele Menschen ignorieren Maßnahmen. Die Kinder beklagen sich kaum oder nie über die Masken, weil sie sie notwendig finden.

Zuhause nach Maskenpflicht zum Schulstart
Schulstart – Den Großen störten die Masken nicht

Wie war denn nun Schule mit Maske?

Der Große hätte gestern nach der 4. Stunde hitzefrei gehabt. Überall habe ich gelesen, wie schlimm es für die Kinder werde, dass sie reihenweise umkippen und krank würden. In der 5. und 6. Stunde ist der Große noch freiwillig zum Orchester gegangen. Denn die Orchesterklasse ist sein Highlight der Woche. Endlich wieder Probe und Bratschenunterricht. Also hatte er 6 Stunden eine Maske auf.

Orchesterkurs war wegen hitzefrei freiwillig - Schulstart NRW 2020
Unser Großer war freiwillig trotz hitzefrei (wie die meisten Kinder) beim Orchester – MIT MASKE

Als er nach Hause kam, war ihm warm. Kein Wunder bei 30 Grad. Aber die Maske? „Störte gar nicht“. Er hat viel getrunken (er hatte zwei Flaschen dabei), zum Essen war „keine Zeit“ und überhaupt war der Schultag so toll! Wir hatten ein richtig glückliches Kind. Denn durch die Maskenpflicht fühlt er sich sicherer, meine Kinder haben nämlich beide die Sorge, dass sie krank werden und Risikopatienten wie mich oder die Oma anstecken. Wie exponentielles Wachstum funktioniert, hat er nämlich auch verstanden.

Die Schule hat ein kluges Lüftungssystem mit jeweils mindestens zwei komplett offenen Fenstern. Heute gab es differenziert hitzefrei, nämlich je nach Ort und Wärme des Klassenraums. Der Klassenraum des Großen ist laut ihm „eiskalt“. Sein Schulstart 2020 ist absolut gelungen (okay, er ist traurig, dass er seine Englischlehrerin nicht mehr hat).

Schulstart NRW mit Maskenpflicht
Erste Hausaufgaben

Wie geht es weiter?

Ich stelle fest, dass vor allem die Eltern groß klagen. Sicher, ich kann meinem Kind auch einreden, dass Masken etwas total Schlimmes seien, aber wem tut man damit einen Gefallen? Ich bin da auch froh über die klare Kommunikation der Schulleitung und Lehrkräfte. Mir wäre auch Maskenpflicht in der Grundschule lieb. Aber da vor allem im Unterricht. Ich befürchte, dass die Maskenpflicht gekippt wird und wir bald eine ganz unangenehme Situation haben. Die ersten Schulen und KiTas müssen schon wieder schließen.

Keine Versprechen zum Schulstart

Daher, wir versprechen unseren Kindern nichts. Aktuell ist immer nur ein kleiner Zeitraum überblickbar und wir gehen offen damit um, dass wir auch nicht einschätzen können, was kommt. Ich würde zum Beispiel nie irgendwo versprechen, dass wir mit wo hin gehen oder sie irgendwo hin dürfen, sondern sage, dass ich nach frage oder darum bitte oder wir gucken. Sie verstehen das.

Schulstart
Zum Schulstart hatte auch der Mittlere die ersten Hausaufgaben

Ich habe neulich etwas gelesen, da war eine Mutter unglücklich, weil sie ihrem Kind versprochen hatte, dass sie es die ganze Zeit begleitet. Dann durfte sie nicht. Das Kind war verständlicherweise entsetzt. Ich würde solche Versprechen nie machen. Die kann ich nämlich gar nicht machen, weil ich die Maßnahmen nicht fest lege und manches nicht weiß. Stattdessen sage ich, dass ich den Wunsch gut verstehe und gerne möchte, aber wir fragen müssen, ob das erlaubt sei. Selbst der 4-Jährige versteht das.

Nebenbei, ich bin neben für Maskenpflicht in Schulen auch dagegen, dass Konzerte mit 13.000 Menschen erlaubt werden oder dass jeder Partys mit 150 Leuten feiern kann. Die Pandemie ist doof und nervt. Aber ich würde gern leben und wünsche auch anderen Menschen, dass sie gesund bleiben. Beatmung ist scheiße und auch Long Covid ist ein Alptraum.

Ich finde, es muss ein Umgang mit der Coronakrise irgendwo zwischen Angst, Risiko und Leichtsinn gefunden werden.

Update und Anmerkung für Corona-Leugner

Update 14. August: auch nach 3 Tagen sieht er Masken nicht als Problem oder schlimm. Gestern hatte er 6 Stunden, heute war nach der 5. hitzefrei. Laut ihm klagen kaum Kinder, nur besonders eins, das ihm vorher schon mit Witzen und Leugnen der Pandemie auffiel. Das ziehe auch oft die Maske runter. (Subjektives Empfinden des Großen). Der Große ist so glücklich wieder Schule zu haben. Allerdings hat er den Eindruck, dass die LehrerInnen mehr oder minder explizit wieder auch hinsichtlich Schulschließungen planen. Bei den aktuellen Infektionszahlen müssten hier bald Maßnahmen kommen. Die Homeschool macht mir wenig Sorgen, beide Schulen haben gezeigt, dass ihre kompetenten, engagierten und wunderbaren Lehrkräfte auch das auf die Beine stellen können. Ich bin den LehrerInnen meiner Kinder sehr dankbar für ihre tolle Arbeit.

Zur Info: Kommentare werden manuell freigeschaltet. Kommentare von Coronaleugnern landen direkt im Papierkorb. Links zu unseriösen Verschwörungsideologien lösche ich ebenfalls. Das bekommt bei mir keine Plattform.

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7 Gedanken zu „Schulstart 2020 – Schule zu Coronazeiten mit Maskenpflicht“

  1. Hallo Denise,
    Dein Bericht gefällt mir sehr und man hört deutlich heraus, dass deine Kinder einen sensiblen Umgang mit dem Thema Corona mit auf den Weg bekommen. Leider sind nicht alle Eltern so. Ich selbst gehöre zur Risikogruppe, mein Vater in einem Pflegeheim ebenfalls und ich arbeite in einer Grundschule. Die Erst- und Zweitklässler machen das mit Mund-Nasenschutz ganz toll, da muss man selten daran erinnern. Ich habe eine 3. Klasse und da bin ich permanent damit beschäftigt dass der Mundschutz getragen wird. Da wird diskutiert und ignoriert und da weiß man genau, dass Zuhause entsprechend gegen die Pflicht gewettert wird.
    Wir haben, bis jetzt, großes Glück hier in Deutschland gehabt und solch ein massiver Lockdown wie in Spanien, Italien usw. ist uns erspart geblieben, und trotzdem gibt es so viele Leute, die auf höchstem Niveau jammern. Da wird demonstriert weil sich Leute in ihren Grundrechten verletzt fühlen. Wäre es nicht so traurig könnte man drüber lachen. Es gibt Länder da hätten die Einwohner mehr Gründe zu demonstrieren wegen fehlender Grundrechte.
    Wir werden aufatmen können wenn es einen Impfstoff gibt und auf diesen Tag freue ich mich schon sehr, aber bis dahin wäre es schön wenn alle ein bisserl nachdenken und nicht alles nachquatschen was irgendwer in den Raum wirft, denn Corona ist nun mal nicht einfach nur ein Schnupfen.
    Denise, Dir und Deiner Familie alles Gute, bleibt gesund und schön dass Du hier schreibst.

    Liebe Grüße
    Manuela

    1. Liebe Manuela, danke für deinen lieben Kommentar! Ich wünschte auch, alle würden das Ernst nehmen. Denn so viel haben wir selbst in der Hand. Absoluten Schutz gibt es nicht, Restrisiken bleiben, aber wenn alle mit helfen, können wir es in den Griff bekommen und Leben retten. Ich wünsche Euch auch von Herzen, dass Ihr gesund bleibt! Liebe Grüße!

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