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Höhlenmensch! Willkommen in meiner Höhle – die Pandemie ist (nicht) vorbei

Eine große deutsche Zeitung irritiert mich aktuell massiv. Eigentlich gehörte sie für mich zu den seriösen Medien, gern von mir gelesen und auch zitiert. Nun scheinen sie entweder massiv Clickbaiting zu betreiben, also einfach mal Skandale produzieren um zu provozieren oder sie haben den Weg der Wissenschaft verlassen. Offenbar ist man, wenn man die Auffassung vertritt, dass die Pandemie NICHT vorbei ist und sich verantwortungsbewusst verhält eine Art Höhlenmensch. Es wird getitelt von „nach der Pandemie“. Tja, wünschen wir uns nicht alle, dass die Pandemie vorbei wäre? Die gemessene Inzidenz ist gesunken. Es gibt aber extrem viel weniger Tests und diverse Städte/Kreise melden gar nichts mehr und die Positivrate ist hoch. Experten vermuten etwa die doppelte Zahl der tatsächlichen Infektionen. Omikron ist nebenbei auch nicht per se „mild“.

Realität kann eben richtig ätzend sein – ich bin dann Höhlenmensch

Die FDP feiert sich auf Social Media und fabuliert von gesunkenen Zahlen. Die gemeldeten Zahlen sind geringer. Es wird unterstellt, Menschen fänden Masken und Maßnahmen toll. Nein, ich fand Masken nie „toll“, aber eben sinnvoll. Omikron mag im Verlauf „milder“ sein als Delta. Trotzdem sterben in Deutschland täglich >300 Menschen und meine persönliche Sorge ist weniger, dass ich oder meine Familie akut an Omikron direkt sterben, als dass wir zu den bis zu 15% Betroffenen von Long Covid oder ca. 2% mit Post Covid gehören. Es gibt auch deutlich schlimmere Schätzungen. Gesundheit ruiniert und niemand weiß, ob es wieder weg geht. Ich kenne wirklich Menschen mit Long Covid. Ein Blick in die Medien findet auch Betroffene. Als Hochrisikopatientin mit Typ 1 Diabetes gehöre ich zu denen mit höherem Risiko darauf. Meine Kinder sind jung und die möchten auch kein Long Covid haben. Sie sind nämlich sehr gern fit und gesund. Es ist noch unklar, welche Ursache die nachweislich gestiegenen Zahlen von Hepatitis bei Kindern U12 haben. (Update: diese Studie beschäftigt sich mit Einzelfällen) Mit Luftfiltern, Masken, kleineren Gruppen und PCR-Pooltests könnte Schulbetrieb recht sicher gemacht werden.

Nur, weil ich die Realität unschön finde, muss ich sie nicht gleich leugnen. Auch Menschen, die nicht zur Risikogruppe gehören, können schwer erkranken und Langzeitfolgen erleiden. Auch wissen nicht alle Menschen von ihren Vorerkrankungen.

Höhlenmensch - aber ganz viel draussen
Wir sind übrigens seit der Pandemie viel mehr draussen – ob in Parks oder im Wald

„Leben wie im 1. Lockdown“als Höhlenmensch?

Bestimmt gibt es Menschen, die sich wirklich komplett Zuhause einigeln. Übrigens auch ohne Pandemie. Es gibt unterschiedliche Ursachen, Kontakte zu vermeiden. Ob man Menschen dann als Höhlenmenschen bezeichnen muss? Mein Mann als Autist fand den Lockdown übrigens sehr entspannend. Für ihn reduzierte sich Stress massiv mit wenigen Kontakten.

In einem Artikel oder auf Social Media aber von irgendwelchen angeblichen psychischen Erkrankungen zu sprechen, weil Menschen sich vor diesem unkalkulierbaren neurotropen Virus schützen möchten: WOW! Dann noch einen erniedrigenden Begriff wie Höhlenmensch finden. Dieses ewige Geheule von Freiheit und Durchsetzen des Endes von Schutzmaßnahmen entgegen der Wünsche der Mehrheit der Bevölkerung widert mich an. „Eigenverantwortung“ funktioniert nicht. Sieht man immer schon an kranken und infektiösen Menschen in Schulen und an Arbeitsplätzen. Eine Coronainfektion bedeutet aber für Risikogruppen im schlimmsten Fall Verlust ihrer Lebensqualität und Gesundheit bis hin zum Tod. Auch sonst ist Omikron, besonders für ungeimpfte Kinder, nicht harmlos.

Diese Menschen werden pathologisiert als mit „Angststörung“. Vorsicht vor einem existenten nicht ungefährlichen Virus ist keine „Angststörung“. Nebenbei diffamiert es Menschen, die an einer Angststörung leiden. Es gibt dazu bei Twitter sehr gute einordnende Threads. Oder ein positives Beispiel in der Sueddeutschen zum Thema Long Covid ernst nehmen.

Cupcakes haben wir geholt – das Wetter war nicht schön

Maske & Coronamaßnahmen

Ich habe absolutes Unverständnis, dass die Maskenpflicht entfallen ist. In öffentlich zugänglichen Innenräumen bin ich absolut für Maskenpflicht. Dass man Läden etc. komplett geschlossen hatte, alle Konzerte und Kultur verboten hatte, das war auch nicht mein Weg. Aber ich hatte mich nun 2,5 Jahre auf die Abschiedtour von Clannad gefreut. Möchte jemand meine Karten für den 11. Mai in Köln abkaufen? Denn ohne 3G+ oder wenigstens Maskenpflicht setze ich mich dem Risiko nicht aus. Artikel beklagen, Menschen würden nichts mehr machen wollen und seien träge. Doch, ich würde sehr gerne auf das Konzert gehen. Es aber mit meiner Gesundheit bezahlen? Nein. Masken schützen uns gegenseitig. Nur ich allein mit Maske ist nicht genug Schutz.

Wir verlassen unsere Höhle zum Essen - Höhlenmensch
Wir genießen unser Leben – aber wir minimieren Risiken

„Du lebst in Deiner Höhle“ – Höhlenmensch

Was mir auch auffällt, was mich aber wenig wundert, wenn ich den Shitstorm sehe, den einige Ärzt*Innen und Impfluencer*Innen bei Twitter abbekommen, da sie sich geboostert und getestet getroffen haben und feiern waren, dass unterstellt wird, man sei komplett isoliert. Diese Ärzt*Innen haben es offen gepostet.

Auch als Höhlenmensch gehe ich Abends weg
Abends mit einer Freundin weg – aber private Treffen poste ich selten auf Social Media. Wir haben das übrigens auch im Dezember und Januar so gehandhabt

Ich habe noch nie alles gepostet, wen ich treffe. Es betrifft nämlich nicht nur meine Privatsphäre, sondern auch die anderer Menschen. Das hat nichts mit Corona zu tun. Viele Freund*Innen sind nicht auf Social Media aktiv oder zeigen sich nie bzw. sind einfach Menschen, die privat bleiben. Es gibt Freundinnen mit denen Bilder abgesprochen sind. Das macht aber immer schon vielleicht weniger als 10% meiner Kontakte aus. Warum auch? Ich muss auch nicht alles teilen. Vor allem, was Kontakte und Leben meiner Kinder und ihrer Freund*Innen betrifft, poste ich grundsätzlich immer schon sehr wenig. Nun unterstellen einige Fremde, wir hätten alle keinerlei Kontakte und ich sei Höhlenmensch. Auch, wenn die Pandemie irgendwann wirklich vorbei ist, werden unsere Sozialkontakte nicht öffentlich hier stattfinden wie es eben auch vor der Pandemie war. Wen wir treffen, tangiert die Privatsphäre von uns und von Freund*Innen & Familie.

Nutzen vs. Risiko-Abwägungen

Ich habe schon einige Male darüber geschrieben, dass wir Nutzen vs. Risiko abwägen, ganz individuell. Wir gucken, welches Risiko wir verringern können und was uns Risiken wert ist. Wir gehen gern Essen, aber das bedeutet aktuell, dass wir entweder draussen sitzen oder Essen bestellen/holen. Ich setze mich nicht in Innengastronomie oder gehe in Bars. Es ist aber erlaubt und wenn bei anderen Menschen da ihre Abwägung anders ausfällt als bei uns, ist das eben deren Entscheidung. Aber dann treffe ich die Person nicht direkt danach in Innenräumen.

Wir gehen sehr gern Essen – aber draussen

Es gibt einige Menschen, die ich drinnen treffe. Andere treffe ich ausschließlich draussen. Generell respektiere ich, wenn jemand vorsichtiger als ich ist. Denn manche haben noch ein höheres Risiko als ich oder sie schätzen das Risiko anders ein. Ich sitze in Cafés und Restaurants draussen, eine Bekannte findet auch das zu risikoreich.

Ich wurde angegangen, weil der Mittlere zum Gitarrenunterricht durfte und dann aber daher zum Test musste. Das ist aber unsere Abwägung. Ich persönlich würde aktuell keine Flugreise machen, aber ob andere das tun, geht mich genau Nichts an. Diese individuellen Überlegungen bedeuten laut Social Media oder hier flüchtigst und unterstellend Lesenden, dass ich Höhlenmensch sei.

Mehr Einschränkungen für mich als Risikopatientin wegen FEHLENDER Maßnahmen

Bei mir führt der Entfall von Maßnahmen eher dazu, dass ich mehr Einschränkungen habe. Ich halte mich nicht ohne wirklichen Grund in Läden auf, in denen Mitarbeiter*Innen und Kund*Innen ohne Maske sind. Shopping ist für mich kein guter Grund, mich dem Infektionsrisiko auszusetzen. Als 3G galt, sind wir auch einfach mal wieder Bummeln gegangen. Jetzt gucke ich wieder, was ich online bekommen kann. Das oben genannte Konzert hätte ich mit Maßnahmen gern besucht. Genauso wie andere Konzerte oder auch den neuen Downton Abbey Film würde ich gern im Kino sehen. Das werde ich nun nicht tun. Ob in Restaurants außerhalb des Tischs Maskenpflicht herrscht oder nicht, ist für mich wenig relevant. Es wird Sommer und auch im Januar saß ich regelmäßig mit einer Freundin bei unserem Stamm-Vietnamesen in Berlin draussen. Ich setze mich, bevor nicht wirklich das Infektionsrisiko gering ist, in kein Restaurant ohne Maske.

Bei Museen und allen Veranstaltungen gucke ich weiter nach Nutzen vs. Risiko.

Bizzidad und ich saßen neulich bei wunderbarem Wetter im Café – draussen

Die Pandemie ist leider nicht vorbei

Was glauben eigentlich viele Coronaleugner und -verharmloser? Wieso sollte irgendwer die Pandemie gut finden. Wir alle wünschten, sie wäre vorbei. Die Impfung schützt gut vor schweren Verläufen. Leider weniger vor grundsätzlicher Infektion und Long Covid als erhofft. Ich nutze alles, was meine Risiken senkt. Durch die hohe Inzidenz und die gefallenen Maßnahmen sind aber weitere Mutationen wahrscheinlich und offenbar wird das Virus nicht harmloser.

Würden die Infektionszahlen tatsächlich sinken, ich fände es wunderbar. Mich nervt die Maske auch. Mich nervt auch, dass ich bei Verabredungen zum Essen gehen gucken muss, wie das Wetter aussieht. Geld für Masken und Tests auszugeben. Aber ich werde weiter Maske tragen, wenn ich mit größeren Gruppen/Fremden in Innenräumen bin. Wenn ich daher Höhlenmensch bin, nehme ich das in Kauf.

Ich hoffe auf echt sinkende Zahlen und auf den an Omikron angepassten Impfstoff und für alle zugängliche und wirksame Medikamente. Aktuell ist aber die Pandemie nicht vorbei. Das zwingt Risikofamilien und Risikopatient*Innen zum Rückzug und Vermeidung von Situationen. Für diesen leider nötigen Schutz werden sie dann öffentlich als Höhlenmenschen bezeichnet statt, dass es Solidarität gäbe und sie geschützt würden. Andere Menschen empfinden schon 20 Minuten Maske in einem Supermarkt zu tragen als Beschränkung ihrer „Freiheit“. Betroffenen wird aber Freiheit genommen.

5 Gedanken zu „Höhlenmensch! Willkommen in meiner Höhle – die Pandemie ist (nicht) vorbei“

  1. Den Begriff Höhlenmenschen finde ich auch eine Frechheit, da sollte doch wirklich jeder für sich entscheiden dürfen, wie oft er sich wo mit wem trifft.
    Für uns war der Lockdown sehr belastend, auch wenn er richtig war. Wo es voll ist, tragen wir weiter Maske, aber es ist schon schön, mitunter mal wieder ohne rumzulaufen. Mein Beispiel: das Virus weiß, dass es im Schwimmbad von der Kasse zur Umkleide existiert (da war Maskenpflicht), zwischen Spind und Dusche aber nicht mehr?!?!?! Ich verzichte da wirklich auf die Maske, denn Fönen mit Maske war grauenhaft. Wir testen privat definitiv regelmäßig und wägen auch ab. Ganz klar für mich war aber, dass der Sohn, seit es wieder möglich war, 3x die Woche zum Judo / Ju-Jutsu geht – ohne Maske natürlich. Aber die Bewegung und Interaktion mit anderen ist eben wichtig. Dass er sich regelmäßig mit Kumpels trifft, mit denen er auch in der Klasse sitzt, steht auch außer Frage. Wie gesagt, wir testen aber und verzichten gerne auf Besuche überfüllter Innenstädte usw.
    Als Risikopatient würde ich sicher auch so reagieren wie Du es beschreibst! Diese Hepatitis-Thematik bei Kindern würde ich aber nach den Erkenntnissen nicht unbedingt mit Covid in Verbindung bringen, sondern eher, wie vermutet, mit Adenoviren. Aber vielleicht viel mehr mit der Tatsache, dass die Kinder durch Masken in den letzten Jahren viele Viren nicht bekommen haben und das Immunsystem sich da jetzt auf einiges wieder neu einstellt.

    1. Ich fand den Lockdown auch schlimm, Bizzidad war der Einzige, der es super fand und entspannt, aber er ist eben neurodivers, ihn stressen Kontakte. Aber wirklich konsequent war nur der erste Lockdown. Ich fand und finde auch nie alle Maßnahmen logisch oder sinnvoll, manche zu strikt, andere zu locker. Manches einfach nur absurd, wie beim Friseur das Fönen selbst machen müssen, aber dafür zahlen. Oder Maskenpflicht beim Durchqueren des Restaurants. Hier wird Schwimmen gehasst, die waren froh, als sie ihr Bronze hatten und das Thema durch war. Hier war es schlimm, als Musikunterricht auch als Einzelunterricht nicht erlaubt war bzw. nur digital dann und ganz schlimm, als Orchester verboten war. Immerhin wurde die Orchesterfahrt im Dezember nachgeholt.
      Bei der Hepatitis behaupte ich nicht, dass die Ursache klar sei. Beispielsweise die Niederlande gucken aber ergebnisoffen. Dass Coronaviren auch nach 6 Monaten in der Leber nachgewiesen werden konnten, ist klar. Aber wäre halt überraschend, wenn andere Viren plötzlich Schäden verursachen würden, die unbekannt waren. Man weiß es nicht.
      Ich wundere mich immer, warum viele denken, wir hätten keine Kontakte. Es findet eben nur offline statt, wie auch vor der Pandemie. Fremde Kinder zeige ich ohnehin gar nicht und seltenst erwähne ich sie. Es tangiert die Privatsphäre vieler Personen. Wir hatten bisher einfach Glück, dass alle Positivfälle im engen Umfeld immer genau dann waren, wenn nicht 2-3 Tage vorher ein Treffen war.

      1. Zu der Hepatitis: Wir hatten 2010 Adenoviren, die unfassbar heftig auf den Magen-Darm-Trakt des als nierenkrank damals geltenden Babies geschlagen sind. 6 Monate Durchfall. Und da hieß es, diese Viren seien unberechenbar. Daher bin ich seit der Zeit ziemlich schmerzfrei. Fremde Kinder bzw Freunde der Kinder zeigt man nicht, das ist völlig richtig!!!

        1. Ich finde diese Einordnung dazu recht interessant https://twitter.com/dgurdasani1/status/1518913249751838720?s=20&t=smbnCCTVRbIjgKZpp87tgg
          Generell sollte man die Ursache einfach ergebnisoffen untersuchen.
          Ich zeige niemanden ungefragt, teilweise frage ich aber gar nicht, sondern zeige einfach sowieso nicht, man kann sein Umfeld meistens einschätzen. Allgemein erwähne ich aber einfach wenig, was andere Menschen betrifft. Es fliegen viele gern unter dem Radar.
          Aber Bildrechte scheinen für viele Leute irrelevant, ich habe das auch schon im Arbeitskontext gemerkt, dass Bildrechte und die DSGVO ignoriert werden sollten. Ich möchte auch nicht, dass mich jemand unabgesprochen im Netz zeigt. Bei Events ist das bei Kindern zum Glück meistens mit Stickern o.ä. gelöst.

  2. Ich kenne übrigens 2 Fälle von Erwachsenen bei denen deutlich vor Corona Leberentzündungen durch damals zirkulierende Erkältungsviren ausgelöst wurden. Genau wie meine Mutter 2019 mit einer Lungenentzündung mit Sauerstoffgabe im Krankenhaus gelandet ist, nachdem ich und meine Tochter nur eine fiese Erkältung hatten. Was ich sagen will: es gab und gibt leider immer wieder Viren, die bei manchen Menschen kaum etwas machen, aber beim nächsten zu schwerwiegenden Konsequenzen führen. Daher finde ich Hygienemaßnahmen auch sehr sinnvoll. Fand es bis 2020 eher erschreckend, dass es so angetan wurde, tja Pech gehabt, Virus, kann man nicht viel machen…

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