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Schulgipfel NRW & ich werde wieder politisch aktiv

Werbung ohne Auftrag* Wie Ihr sicher mitbekommen habt, ist aktuell zur Coronakrise mein großes Thema die Schulen. Denn ich vermisse Maßnahmen und finde den aktuellen „Regelbetrieb“ fahrlässig. Ob man es überhaupt „Regelbetrieb“ nennen kann, stelle ich ebenfalls in Frage. Unsere Landesregierung möchte die Illusion aufrecht erhalten. Mir sagte der Entwurf von Angela Merkel zu, die eigentlich Montag mit den Ministerpräsidenten klare Maßnahmen an den Schulen festlegen wolle. Die demokratische Opposition aus den Fraktionen der SPD und der Grünen hat nun zum Schulgipfel NRW eingeladen, den sie schon seit Monaten fordert.

Sozialdemokratin

Ich bin seit vielen Jahren in der SPD, seit wann, weiß ich gar nicht mehr. In meiner Jugend war ich bei den Jusos meiner Heimatstadt aktiv und war auch mal stellvertretende sachkundige Bürgerin. Irgendwann wollte ich mit dieser Jusogruppe nicht mehr zusammen arbeiten und durch Studium und Umzüge war ich lange nicht aktiv. Aber Mitglied bin ich immer geblieben, auch wenn ich oft sage, ich sei rot-grün-kariert. Meine politische Heimat ist und bleibt die SPD, obwohl ich nicht immer alle Entscheidungen absolut so sehe, aber genau davon lebt Politik, nämlich vom Diskurs.

Auch bei unserem Großen erlebe ich in der momentanen Krise eine Politisierung, wenn auch in der Schule und privat. Ich dagegen erhebe meine Stimme auf Social Media, also im Blog und vor allem auf Twitter. Besonders Karl Lauterbach erlebe ich da als wichtigen Experten, der immer Recht behält. (Nicht unerwähnt lassen möchte ich da „meinen“ Abgeordneten, den wunderbaren Helge Lindh, der besonders der AfD deutlich und toll Contra gibt und dafür Hass und Morddrohungen bekommt, das ist eben nicht das, was Diskurs aus macht. Sachliche Kritik und Auseinandersetzung ist dagegen eben Sinn und Zweck. Hass ist keine Meinung).

Mama von drei Kindern

Meine persönliche Meinung zur Situation an den Schulen

Hier im Blog habe ich schon öfter über meinen Standpunkt geschrieben, ich bin gegen pauschale Schulschließungen. Mich ärgert aber, dass unsere Landesregierung in NRW also Herr Laschet und Frau Gebauer ernsthaft Lüften und Maskenpflicht ab Klasse 5 für „Maßnahmen“ halten und sich einem Schulgipfel verweigern. Ich wünsche mir wirkliche, echte Maßnahmen, die Kinder, Lehrkräfte und deren Angehörigen Schutz bieten. Außerdem bin ich für Aussetzung der Präsenzpflicht hin zu einer schulisch überwachten Lernpflicht mit Präsenzangeboten.

Ich bin Risikopatientin. Wir alle sind aufgefordert, unsere Kontakte zu reduzieren. Meine Kinder haben zwangsweise um die 90 Kontakte in den Schulen und im KiGa. Sie müssen sich und mich einem Risiko aussetzen. So geht es vielen Familien und Lehrkräften. Gleichzeitig brauchen viele Eltern zuverlässige Betreuungsangebote und Schule. Nicht jede Familie kann Distanzunterricht leisten. Auch sind nicht alle Schulen so phantastisch in der Umsetzung der digitalen Schule wie das Gymnasium des Großen. Aber auch an der Grundschule beobachte ich, wie engagiert Lehrerinnen und Schulleitung sind.

Mir fehlt in der Diskussion oft die Differenzierung. Denn offenbar gibt es für einige PolitikerInnen nur „Regelbetrieb“ vs. „Schulschließung“. Dass es so viele andere Optionen gibt, wird ignoriert. Eine Politikerin nannte jegliche Kritik „populistisch“. Das ist für mich kein Diskurs mehr.

Unser Alltag mit dem „Regelbetrieb“

Auf dem Papier ist Regelbetrieb. Ich sehe, wie die Lehrkräfte und Schulleitungen rotieren, um diesen Betrieb irgendwie aufrecht zu erhalten. Es funktioniert aber nicht. Beim Großen sind diverse Klassen in Quarantäne und auch der Mittlere selbst, sowie 8 Klassen seiner Schule, hatte bereits Quarantäne. Teilweise verändert sich alles von Sonntagabend auf Montagmorgen. Denn die Schulen können nur damit planen, was sie wissen. Immer wieder gibt es neue Quarantänen oder erkrankte Lehrkräfte und Kinder, die Infekte haben.

Letzte Woche Montag sollte der Große eigentlich Stand Sonntagabend 3 Onlinestunden haben, Freistunde für den Schulweg, dann noch 2 Stunden Präsenzunterricht. Montagmorgen wechselte dann alles auf Onlineunterricht, da noch eine Lehrkraft kurzfristig ausfiel. Wir müssen auch jederzeit mit einer neuen Quarantäne rechnen. Ereignisse überschlagen sich und die Situation ist unberechenbar. Damit müssen die Schulen irgendwie klar kommen und sie geben sich große Mühe und sind engagiert. Besonders das Gymnasium hat schon im März wirklich guten Onlineunterricht angeboten.

Ich habe Forderungen

Ich wünsche mir, dass man flexiblere Lösungen findet und generell den Schulen mehr Freiraum gibt. Jede Schulleitung weiß selbst am besten, was bei ihnen funktioniert, was sie überhaupt auf die Beine stellen können und was ihre SchülerInnen brauchen. Die Grundschule des Mittleren ist nicht wirklich digital, die Aufgaben waren auf Papier, aber alles war gut organisiert und überlegt gestellte Aufgaben. Das Gymnasium dagegen könnte gefühlt über Nacht digital gehen.

Die SPD-Fraktion im Landtag NRW hat mich dazu interviewt (externer Link zu YouTube)

Schulgipfel

Daraus ergab sich dann, dass ich eine Einladung bekommen habe, dem von den Fraktionen von SPD und Grünen geplanten Schulgipfel zu folgen. Leider lehnt unsere Landesregierung aus CDU und FDP nämlich einen Schulgipfel ab. Also hat die demokratische Opposition am 17. November einen Schulgipfel als digitale Veranstaltung organisiert.

In der Einleitung wird schon klar bemängelt, dass der „rote Faden“ fehle und daran erinnert, dass die Landesregierung bisher keinen Schulgipfel organisiert hat. Es sind 250 Teilnehmer dabei.

Der Rahmen

Thomas Kutschaty möchte ins Gespräch und alle an einen Tisch bekommen und hier nicht „Schuldige“ suchen, keine Angriffe auf Verantwortliche und nicht in die Vergangenheit gucken. Es gehe darum, Lösungen zu finden. An ca. 20% der Schulen in NRW sei eben kein Regelbetrieb möglich. Ziel sei, Schulen offen zu behalten, aber wir müssten zwischen Recht auf Bildung und Gesundheitsschutz abwägen. Der Entwurf aus dem Kanzleramt ähnle dem „Solinger Modell“. Kinder seien unsere Zukunft, man solle ihnen so viel Schule wie möglich bieten.

Josefine Paul von Bündnis90/Grünen stellt klar, das Infektionsgeschehen sei auch in den Schulen vorhanden. Die Inzidenz sei über 50, oft symptomfrei, aber eben infektiös. Es gehe um das psychosoziale Wohl und Bildungsgerechtigkeit, aber eben auch Gesundheitsschutz. Sie weist auf die Empfehlungen RKI und Leopoldina hin. Es sei Ziel, so viel Unterricht wie möglich, aber eben sicherer. Eine vorrausschauende Politik sei wichtig, Hybridmodelle, Schichtmodelle, es ist auch regional verschieden. Es brauche einen verbindlichen, verlässlichen Handlungsrahmen.

Ich folge dem Schulgipfel NRW online
Dem Schulgipfel online folgen

Karl Lauterbach

Karl Lauterbach ist einerseits als Vater betroffen, gleichzeitig sieht er die wissenschaftliche Komponente. Warum seien die Covid Infektionen bei Kindern und Eltern so gefährlich? Die allermeisten Kinder hätten kaum bis keine Symptome. Aber bei den Eltern sehe das anders aus. Bei älteren Eltern könne die Krankheit nicht unterschätzt werden. Er weist auch auf Long Covid hin, 15% hätten länger anhaltende, ggf. dauerhafte Schäden an Lunge, Gehirn, Psyche und Nieren. Auch, wenn sie nicht im Alter der höhen Sterberate seien, diese Gefahr beträfe Kinder, Eltern und Lehrer. Kinder seien „Brückenüberträger“. Ansteckung unter Kindern sei belegt. Kinder hätten viele Kontakte, hohe Viruslast.

Aktuelle Situation sei: in den Schulen hohe Inzidenz 10x so hoch wie 1. Welle, Dunkelziffer vermutlich sehr hoch. Daher auch Altersgruppe der Eltern hoher Zuwachs. (Anmerkung von mir: darauf wies auch Prof. Drosten bei Twitter hin) Wellenbrecher bekämen wir nicht <50 Inzidenz, wenn wir an den Schulen nichts machen. Wir müssten in den Schulen nachsteuern. Die Intensivkapazität wird nicht ausreichen.

Schulklassenteilungen auf 50%, ob zu verschiedenen Zeiten, digital oder Homeschool. Er empfiehlt Maskenpflicht als 2. Maßnahme. 3. Maßnahme bei Indexfall – Quarantäne nicht nur für Kinder, sondern auch für die Familie. Clusterquarantänen/Kurzquarantäne 5 Tage für Kind und Eltern, dann Freitestung mit Coronatest. Machen asiatische Länder erfolgreich.

Wir müssen die Schulen offen halten

Karl Lauterbach am 17.11.

Tim Kurzbach

Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist inzwischen bekannt für seinen „Solinger Weg“, der leider von der Landesregierung kassiert wurde. Solingen hat eine so hohe Inzidenz, dass er in ein Wechselmodell wechseln wollte. Er möchte die Gesundheit seiner Bürger schützen. Sie hätten sich früh auf den Weg gemacht und die Monate des Sommers genutzt und sich vorbereitet. Seit Jahren in die Digitalisierung der Schulen investiert. Im Sommer für digitale Endgeräte gesorgt 3500 Geräte. Im August/September verteilt. Er betont den engen Kontakt mit den Schulen, enge Abstimmung. Digitalisierung als Herausforderung an sich, aber eben auch, weil es absehbar war.

Ziel sei es, dass keine Schule schließen muss. Sie seien für Präsenzunterricht, aber sie suchten rechtzeitig Alternativen. Daher Gruppenteilung nach Vorlage des RKIs mit „schulscharfen Konzepten“.

Kleine Lerngruppen, große Abstände, kein Knubbeln in Bussen. Hohes Infektionsrisiko eindämmen. Inzidenz 280 zu Beginn, weiter nicht unter 200. Heute (17.11.) 279.

Covid fordere Solidarität. Bildungsgerechtigkeit erhalten. Aber wie umsetzen? Schulen nicht schließen. 1-2 Schulen pro Woche müssen schließen, weil LehrerInnen in Quarantäne. Kurzbach hat riesigen Respekt vor Schulleitern. Interfraktionelle Übereinstimmung „wir sind zusammen Solingen“. Bei 100 Klassen mit Quarantänen? Was sei mit Bildungsgerechtigkeit für diese?

Schulgipfel NRW
#SchulgipfelNRW

Große Einigkeit beim Schulgipfel

Ich habe eigentlich 3 DIN A 4 Seiten mit Notizen aus dem Schulgipfel. Mir erscheint es aber ausreichend, die Aussagen von Herrn Lauterbach und Herrn Kurzbach ausführlich zu schildern. Denn eigentlich bestand große Einigkeit unter den Teilnehmern, die aus Experten, Politikern, Schülerin, Schulleitungen und Eltern bestanden. Alle sind dafür die Schulen nicht zu schließen. Anders, als auf Social Media oft behauptet wird, ist absolut niemand für pauschale, komplette Schulschließungen.

Alle wünschen sich aber sicheren Betrieb in den Schulen. Sicherheit für Lehrkräfte, Kinder und deren Familien. Besonders favorisiert werden dabei Wechselmodelle mit mindestens halbierten Klassen. Frau Schneckenburger plädiert für ein klares Stufenmodell nach Inzidenzen, das verbindlich gilt. Generell möchten alle klare Vorgaben, die überall gelten, die sich aber an unterschiedlichen Infektionszahlen orientieren. Hybridmodelle und dies möglichst schon frühzeitig einüben wäre die Sache und dann Wechselprinzip an den Schulen. Fall eine Schule schließen müsste, wären die Kinder bereits im Onlineunterricht geübt.

Immer wieder wird auch noch mal betont, dass der aktuelle Präsenzunterricht anders aussieht und gemahnt, man müsse dieses Schuljahr als Coronaschuljahr begreifen und anpassen (u.a. durch Herr Willert und Frau Finnern).

Auch wird von Frau Thoms noch einmal gesondert auf die Problematik von Inklusionskindern und generell von Kindern mit Behinderung zu diesen schwierigen Zeiten hingewiesen.

Bildungsgerechtigkeit?

Klar wird auch, Bildungsgerechtigkeit ist das Ziel. Gleichzeitig brauchen wir aber Gesundheitsschutz und mehr Freiräume für die Schulen innerhalb von klaren Maßnahmen und Stufenmodellen. Bildungsgerechtigkeit ist aktuell noch weniger gegeben. Dafür braucht es ebenfalls Lösungen.

Die große Einigkeit besteht darin, dass man sich zusammen setzen muss und zwar mit Betroffenen, mit den Schulen und Familien. Unbedingt müssten die durch das RKI und die Leopoldina und andere Experten empfohlenen Maßnahmen an den Schulen umgesetzt werden. Es gibt keine einfache schnelle Lösung für ein sehr komplexes Problem in einer instabilen Lage. Alle wollen die Schulen offen halten.

Mir persönlich fehlte, dass man über das Thema „Präsenzpflicht“ spricht. Denn mein Wunsch ist, dass diese ausgesetzt wird und nur, wenn eine Lernpflicht nicht greift, wieder ausgesprochen wird. Schule mit Präsenz- und Betreuungsangeboten möchte ich ausdrücklich ebenfalls, aber wir würden gerne mit entscheiden, wo unsere Kinder lernen.

Was wünscht Ihr Euch für den sicheren Schulbetrieb?

*unbezahlte, unbeauftragte Werbung. Es handelt sich um meine persönliche Meinung zum Thema und nicht um die Meinung meiner Partei. Ich habe mir während des Schulgipfels Notizen zu den Speakern gemacht. Sollte ich jemanden unbeabsichtigt falsch wiedergegeben haben, bitte ich um eine Mail an bloggermumofthreeboys@cinnavio.com und werde dies umgehend korrigieren.

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